Urin (Harn)

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel

Jupiterimages/iStockphoto
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Als Urin oder Harn bezeichnet man die von den Nieren produzierte Flüssigkeit, die über Harnblase und Harnröhre ausgeschieden wird. Urin enthält – neben Wasser – nicht mehr benötigte oder schädliche Stoffwechselprodukte, die die Nieren aus dem Blut gefiltert haben. Pro Tag produziert der Körper durchschnittlich einen halben bis zwei Liter Urin.

Wie viel Urin wir ausscheiden, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von

Wer viel Flüssigkeit zu sich nimmt, muss mehr Urin ausscheiden. Auch eine eiweißreiche Ernährung kann dazu führen, dass der Körper mehr Urin produziert: Denn das Zuviel an Eiweiß (Protein) wandelt er in den wasserlöslichen Harnstoff um und "entsorgt" ihn mit dem Urin.

Die täglich ausgeschiedene Urinmenge kann aber auch sinken, etwa wenn man zu wenig trinkt oder wenn der Körper auf anderen Wegen als mit dem Urin viel Wasser verliert (z.B. durch Durchfall, Erbrechen oder starkes Schwitzen).

Normalerweise ist Urin eine klare, hellgelbe bis farblose Flüssigkeit. Je weniger man trinkt, desto dunkler wird er. Die gelbe Farbe entsteht dabei durch Urochrome – diese Stoffwechselprodukte fallen beim Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin an und sind mit den Gallenfarbstoffen verwandt. Aber der Urin kann auch andere Färbungen annehmen – manche deuten auf Erkrankungen hin, andere haben medizinisch gesehen keine Bedeutung. Mögliche Färbungen und ihre Bedeutung sind zum Beispiel:

Der Hauptbestandteil von Urin ist Wasser (95%). Daneben finden sich verschiedene organische und anorganische Stoffe im Harn:

Um mehr über die festen Bestandteile im Urin zu erfahren, kann man eine Urinprobe zentrifugieren. Dabei setzen sich die anorganischen Bestandteile als Kristalle im Bodensatz ab. Mediziner sprechen hier vom sogenannten Urinsediment oder Harnsediment. Der Bodensatz kann im Rahmen einer Urinuntersuchung auch Aufschlüsse über bestimmte Erkrankungen geben. Ab einer bestimmten Menge deutet Glukose zum Beispiel auf einen Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) hin, während erhöhte Albumin-Werte ein Hinweis auf Nierenprobleme sind.

Der pH-Wert von Urin kann ernährungsbedingt schwanken. Als normal gelten pH-Werte von etwa 5,0 bis 6,0. Bei Betroffenen, deren Ernährung vor allem aus einer Mischkost besteht, die auch Fleisch enthält, ist der Urin in der Regel leicht sauer (pH 5,6 bis 7,0). Eine vegetarische Ernährung lässt den Harn dagegen etwas alkalischer (also weniger sauer) werden.

Nierensteine
Ist der Urin zu sauer, können sich die darin enthaltenen Stoffe nicht mehr so gut lösen. Als Folge können sie sich ablagern und zu Nierensteinen führen. Diese entstehen

  • im Nierenbecken,
  • im Harnleiter oder
  • in der Harnblase.

Die meisten Nierensteine (75%) bestehen dabei aus Calciumoxalat, gefolgt von Nierensteinen aus Salzen der Harnsäure (Urat).

Nierensteine lassen sich häufig bereits vermeiden, indem man die Ernährung etwas ändert: Wer weniger Eiweiß als sonst zu sich nimmt, bewirkt dass der pH-Wert des Urins weniger sauer ist. Harnsäuresteine entstehen dagegen vor allem, wenn der Puringehalt der Nahrung zu hoch ist. Der Puringehalt lässt sich senken, indem man weniger Fleisch isst.

Auch bakterielle Infektionen der Harnwege können dazu führen, dass der Urin saurer als normal ist und auf diese Weise die Bildung von Nierensteinen fördern.

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