Multitalent Speichel

Veröffentlicht von: Wiebke Raue

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Etwa 1 bis 1,5 Liter – so viel Speichel produziert unser Körper täglich. Wie wichtig Speichel ist, wird vor allem deutlich, wenn zu wenig von ihm vorhanden ist: Ohne Speichel könnten wir zum Beispiel nicht einmal trockenes Brot herunterschlucken. Aber Speichel ist weit mehr als nur ein "Gleitmittel" für die Nahrung: Seine vielfältigen Funktionen machen ihn zu einem wahren Multitalent.

Beim Anblick einer aufgeschnittenen Zitrone läuft er uns im Mund zusammen, beim Essen hilft er uns, die Nahrung zu zerkleinern und zu schlucken – und bei großem Durst fühlt sich der Mund trocken an, weil er fehlt: Speichel. Tag für Tag erfüllt er, von uns kaum wahrgenommen, zahlreiche Aufgaben.

Speichel besteht zu 99 Prozent aus Wasser – besonders wird er jedoch erst durch seine übrigen Bestandteile. Hierzu zählen unter anderem Schleimstoffe, Elektrolyte, Eiweiße und Enzyme.

Die Speichelproduktion läuft rund um die Uhr – selbst ohne äußere Reize fließt immer ein wenig Flüssigkeit in unseren Mund, der sogenannte Ruhespeichel. Am Tag oder während des Essens ist die Speichelbildung etwa vier- bis fünfmal höher als nachts beziehungsweise im Ruhezustand. Allgemein ist der Speichelfluss am Nachmittag besonders hoch, morgens und spät abends eher niedrig.

Wie viel und welcher Speichel produziert wird, kontrolliert weitgehend unser vegetatives Nervensystem. Es reagiert unter anderem auf verschiedene auslösende Reflexe – etwa auf Geruch, Aussehen oder Geschmack eines Lebensmittels, aber auch auf Angst oder Stress.

So sorgt das Nervensystem dafür, dass uns in Erwartung einer köstlichen Mahlzeit buchstäblich das Wasser im Munde zusammenläuft – oder dafür, dass uns bei Nervosität im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke wegbleibt. Auch eine Berührung der Mundschleimhaut oder bloße Kaubewegungen lassen den Speichel verstärkt fließen.

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Allein der Anblick von Zitronen löst beim Menschen einen verstärkten Speichelfluss aus.

Speichel ist ein Gemisch verschiedener Sekrete im Mund, welche die Kopfspeicheldrüsen freisetzen. Die Flüssigkeit ist mehr als bloß Wasser: Speichel enthält zahlreiche Substanzen, so zum Beispiel:

Zudem befinden sich im Speichel in geringen Mengen zahlreiche weitere Substanzen, die verschiedene Funktionen erfüllen – etwa Aminosäuren, Eiweiße, Hormone, Vitamine, sogenannte Immunglobuline oder Enzyme. Spezielle Enzyme sorgen dafür, dass die Nahrung bereits im Mund vorverdaut wird.

Warum fließt bei Übelkeit mehr Speichel?

Die meisten Menschen kennen das: Unmittelbar vor dem Erbrechen beginnt der Speichel verstärkt zu fließen. Dies hat seinen Sinn: Speichel verdünnt die aggressive Magensäure, die beim Erbrechen in den Mundraum gelangt – so kann diese am Zahnschmelz nicht so leicht Schaden anrichten.

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