Ruhepuls

Veröffentlicht von: Till von Bracht

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Das Herz ist der Motor unseres Blutkreislaufs. Tag und Nacht pumpt es Blut durch den Körper und versorgt Organe, Gewebe und Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wie schnell das Herz im Ruhezustand schlägt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich – bei einigen beträgt der sogenannte Ruhepuls 90 Schläge die Minute, bei anderen nur 50.

Der Ruhepuls gibt an, wie oft das Herz pro Minute schlagen muss, um den Körper ausreichend mit Blut versorgen zu können. Sobald man sich bewegt, steigt auch der Puls, da der Körper dann mehr Blut in die arbeitenden Muskeln pumpen muss.

Durchschnittlich liegt der Ruhepuls eines gesunden Erwachsenen bei 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Bei hochtrainierten Ausdauersportlern ist der Ruhepuls deutlich niedriger – bei ihnen schlägt das Herz unter Umständen nur 35- bis 50-mal in der Minute. Der Grund: Das Herz eines Sportlers ist in der Lage, mit einem Herzschlag mehr Blut durch den Körper zu pumpen als ein wenig trainiertes Herz.

Viele verschiedene Faktoren können den Ruhepuls beeinflussen, zum Beispiel

Deshalb ist es wichtig, dass man seinen Ruhepuls am besten morgens direkt nach dem Aufwachen misst – also noch vor dem Aufstehen.

Trotz der vielen Einflussfaktoren kann man angeben, welcher Ruhepuls in welchem Alter noch normal ist und ab wann der Ruhepuls zu hoch ist. Hierfür haben Wissenschaftler knapp 50.000 Säuglinge, Kinder, Erwachsene und ältere Menschen untersucht und sind zu folgenden Durchschnittswerten gekommen.

Tabelle: Welcher Ruhepuls ist normal?

Lebensalter Ruhepuls (in Schlägen pro Minute)
Säugling (< 1 Jahr) 129
1 Jahr 118
2-3 Jahre 107
4-5 Jahre 96
6-8 Jahre 87
9-11 Jahre 83
12-15 Jahre 78
16-19 Jahre 75
20-39 Jahre 73
40-59 Jahre 72
60-79 Jahre 72
80 Jahre und älter 72

Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass bei Frauen der Ruhepuls in der Regel etwas höher ist als Männern. Ebenso haben Schwangere einen höheren Puls, um das Baby ausreichend mit Blut zu versorgen.

Was bedeutet ein erhöhter Ruhepuls?

Ein zu hoher Ruhepuls bedeutet allerdings nicht gleich, dass man krank ist! Manchmal ist es einfach nur die Aufregung – etwa wenn man beim Arzt den Puls messen lässt – oder Stress. Schlägt das Herz jedoch ständig mehr als 100-mal in der Minute, spricht man von einer sogenannten Tachykardie.

Eine Tachykardie kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel

Auch wehenhemmende Medikamente können unter Umständen dazu führen, dass die Herzfrequenz in Ruhe steigt.

Um eine Krankheit ausschließen zu können, sollten Sie bei einem dauerhaft erhöhten Ruhepuls einen Arzt aufsuchen.

Wenn der Ruhepuls zu niedrig ist

Liegt der Ruhepuls eines Erwachsenen unter 60 Schlägen pro Minute, sprechen Ärzte von einer sogenannten Bradykardie. Vor allem bei Ausdauersportlern kommt eine Bradykardie häufig vor – der niedrige Ruhepuls ist ein Zeichen dafür, dass sich das Herz an das sportliche Training angepasst hat.

Auch bestimmte Medikamente lassen das Herz langsamer schlagen, wie zum Beispiel

Nur in seltenen Fällen können hinter einer Bradykardie auch andere Ursachen stecken, wie beispielsweise

Einen zu niedrigen Ruhepuls sollte man deshalb ebenfalls ärztlich abklären lassen.

So messen Sie Ihren Ruhepuls

Möchten Sie Ihren Ruhepuls ermitteln, so benötigen Sie dafür keine teuren Messgeräte – eine Stoppuhr oder eine Uhr mit Sekundenzeiger genügt. Der Ruhepuls ist immer dort besonders gut tastbar, wo dicht unter der Hautoberfläche eine Arterie verläuft – zum Beispiel an der Innenseite des Handgelenks oder am Hals.

Drücken Sie zwei bis drei Finger an Ihre Halsschlagader oder die Innenseite Ihres Handgelenks (unterhalb des Daumenballens), bis Sie mit den Fingern Ihren Puls spüren können. Zählen Sie dann genau 15 Sekunden lang die Pulsschläge und multiplizieren das Ergebnis mit 4 – so errechnen Sie die Zahl Ihrer Herzschläge pro Minute und damit Ihren Ruhepuls.

Zählen Sie zum Beispiel 18 Schläge in 15 Sekunden, so haben Sie einen Ruhepuls von 72 (18 x 4 = 72). Ein genaueres Ergebnis erhalten Sie, wenn Sie den Zeitraum Ihrer Messung auf 30 beziehungsweise 60 Sekunden verlängern. Die Anzahl der gezählten Pulsschläge müssen dann natürlich nicht mehr mit 4 multiplizieren, sondern mit 2 (bei 30 Sekunden). Zählen Sie 60 Sekunden lang durch, fällt die Multiplikation weg.

Wichtig: Wenn Sie bei einer anderen Person den Ruhepuls messen, sollten Sie dazu nicht Ihren eigenen Daumen benutzen. Der Blutdruck im Daumen selbst ist so stark, dass die Gefahr besteht, dass Sie bei der Pulsmessung nicht den Ruhepuls Ihres Gegenübers wahrnehmen, sondern nur Ihren eigenen Puls.

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