Das Rückenmark – Brücke zwischen Kopf und Körper

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

Jupiterimages/iStockphoto
Anzeige

Wie kommunizieren Kopf und Körper miteinander? Wie gelangen Anweisungen vom Gehirn in den restlichen Teil des Körpers? Auf welchem Weg werden Empfindungen und Informationen aus Armen, Beinen oder Organen ins Gehirn übertragen, wo sie verarbeitet werden können? Der Austausch findet über viele verschiedene Nervenbahnen statt, die in einer Schaltzentrale aufeinandertreffen: dem Rückenmark. Es bildet die Brücke zwischen Gehirn und restlichem Körper.

Das Rückenmark gehört neben dem Gehirn zum zentralen Nervensystem (ZNS). Der fingerdicke zylindrische Strang aus Faserbündeln und Nervenzellen verläuft im Wirbelkanal vom Hals bis zum Steißbein zwischen den verschiedenen Wirbeln der Wirbelsäule. Beim Neugeborenen reicht das Rückenmark vom unteren Teil des Gehirns (Medulla oblongata) bis zu den untersten Nervenwurzeln, die den Wirbelkanal im Bereich des Kreuzbeins verlassen. Beim Erwachsenen endet es bereits weiter oben etwa auf Höhe des zweiten Lendenwirbels, was daran liegt, dass die Wirbelsäule während des Wachstums einige Zentimeter mehr an Größe zulegt als das Rückenmark.

Da das Rückenmarkgewebe zusammen mit dem Gewebe des Gehirns das empfindlichste des menschlichen Körpers ist, sorgen der Wirbelkanal und die Rückenmarkshäute dafür, dass es gut geschützt ist. Einen weiteren Schutz bietet außerdem eine Flüssigkeit, der sogenannte Liquor. Gehirn und Rückenmark "schwimmen" vollständig in dieser Flüssigkeit.

Funktionen

Im Rückenmark treffen "ankommende Nervenbahnen" und "wegführende Nervenbahnen" zusammen. Sie sorgen über Nervensignale für den Informationsaustausch zwischen Gehirn auf der einen Seite und Skelettmuskulatur, Sinnesorganen und inneren Organen auf der anderen Seite. Die Rückenmarksnervenzellen (Spinalnerven) bestehen aus einer vorderen und hinteren Wurzel. In der hinteren Wurzel treten zum Gehirn führende (afferente) Nervenbahnen in Form von Wurzelfäden ins Rückenmark ein, in der vorderen Wurzel verlassen vom Gehirn wegführende (efferente) Nervenbahnen das Rückenmark. Ein Nerv ist dementsprechend ein Faserbündel mit verschiedenen Funktionen und Verlaufsrichtungen.

Obwohl das Rückenmark kürzer ist als die Wirbelsäule, treten die Wurzelfäden der Spinalnerven immer jeweils zwischen zwei nebeneinanderliegenden Wirbeln im sogenannten Zwischenwirbelloch aus dem Wirbelkanal aus oder in ihn hinein. Insgesamt beherbergt das Rückenmark 31 Spinalnervenpaare:

Das Rückenmark beherbergt 31 Spinalnervenpaare

Die absteigenden, sogenannten efferenten Nervenbahnen vermitteln Signale des Gehirns an die Muskeln des Skeletts und die Organe. In umgekehrter Richtung leiten aufsteigende (afferente) Nervenbahnen sensorische Informationen von Haut, Muskeln, Gelenken und Organen über das Rückenmark an das Gehirn weiter. Als sensorische Informationen bezeichnet man durch Reize der Sinnesorgane ausgelöste Empfindungen wie zum Beispiel Berührungen, Druck, Kälte, Wärme und Schmerz.

Damit dient das Rückenmark als Verbindungsstelle zwischen den höher gelegenen Teilen des zentralen Nervensystems (verlängertes Mark und Gehirn) und dem peripheren Nervensystem. Das zentrale Nervensystem umfasst Großhirn, Kleinhirn und Rückenmark. Das periphere Nervensystem umfasst alle Nerven, die sich außerhalb von Rückenmark und Gehirn (peripher = vom Körperstamm entfernt, außen, am Rand liegend) befinden, zum Beispiel Nerven in Armen und Beinen. Im Kopf- und Halsbereich leiten Hirnnerven Reize an die dort befindlichen Muskeln weiter, im restlichen Körper sind dafür Spinalnerven zuständig. Die Spinalnerven sind mit dem Rückenmark verbunden, Hirnnerven haben eine Verbindung zum Gehirn. Zusammen bilden Rückenmark und Gehirn das zentrale Nervensystem.

Im Rückenmark befinden sich Anteile des somatischen (animalen) und des vegetativen (autonomen) Nervensystems. Die Unterscheidung zwischen somatisch und vegetativ bezieht sich auf die Funktionen des Nervensystems, wohingegen die Unterscheidung zwischen zentral und peripher sich auf die Lage der Nerven im Körper bezieht.

Das somatische Nervensystem vermittelt zwischen Organismus und Umwelt. Es steuert die Bewegungen der Skelettmuskulatur und ist somit für die willkürlichen (bewusst gesteuerten) Funktionen und durch innere oder äußere Reize ausgelöste Reflexe des Organismus zuständig.

Zum vegetativen Nervensystem gehören Nervenzellen, deren Funktionen der Mensch nicht willentlich beeinflussen kann. Das vegetative Nervensystem regelt lebenswichtige Funktionen (Vitalfunktionen) wie beispielsweise Atmung, Verdauung, Stoffwechsel und Wasserhaushalt und sichert das Zusammenspiel der einzelnen Körperteile. Dabei passt es die Körperfunktionen an äußere Umwelterfordernisse an.

Das somatische Nervensystem steuert die Funktionen der Skelettmuskulatur und der Sinnesorgane, über das vegetative Nervensystem werden Impulse an die inneren Organe vermittelt.

Reflexe

Neben der beeinflussbaren Steuerung der Muskulaturbewegungen entstehen im Rückenmark auch Reflexe. Als Reflexe bezeichnet man unbewusste, immer gleiche Reaktionen des Organismus, die entweder aus der Umwelt oder aus dem Körperinneren im zentralen Nervensystem ankommen.

Ein Beispiel für eine solche unbewusste immer gleich bleibende Reaktion des Körpers auf Reize ist der Patellarsehnenreflex. Ein leichter Schlag mit dem Reflexhammer auf die Sehne unterhalb der Kniescheibe (Patella) löst ein kurzes Muskelzucken des Kniegelenkstreckers aus.

Die Rückenmarkreflexe entstehen über den sogenannten Reflexbogen. Dieser besteht aus

Anzeige