Magensäure: Aggressiv, aber nützlich

Veröffentlicht von: Wiebke Raue

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Magensäure ist so aggressiv, dass der Magen sich selbst verdauen würde – wäre er nicht von einer schützenden Schleimschicht ausgekleidet, welche die gesamte Magenschleimhaut überzieht. Ihre ätzende Eigenschaft hat die Magensäure nicht ohne Grund: Sie trägt wesentlich zur Verdauung bei und tötet viele Krankheitserreger in der Nahrung ab.

Der menschliche Magen produziert Tag für Tag etwa 2 bis 3 Liter Magensaft. Magensaft besteht unter anderem aus Salzsäure – auch Magensäure genannt. Durch die Magensäure liegt der pH-Wert des Magensafts im sauren Bereich (pH-Wert ca. 1 bis 1,5).

Magensäure erfüllt viele wichtige Funktionen. Sie macht nicht nur die meisten Krankheitserreger aus der Nahrung unschädlich – das saure Milieu im Magen bietet auch optimale Voraussetzungen, damit Verdauungsenzyme die aufgenommene Nahrung aufspalten.

Woraus besteht Magensaft?

Magensaft enthält neben Magensäure insbesondere:

  • Wasser,
  • Verdauungsenzyme (Pepsine), die Eiweiße aus der Nahrung aufspalten,
  • Schleimstoffe (Muzine), die die Magensäure binden und die Magenschleimhaut so vor der Selbstverdauung schützen,
  • den sog. Intrinsic-Faktor, ein Eiweiß, das sich im Magen an Vitamin B12 bindet und so verhindert, dass das Vitamin zu früh verdaut wird, und
  • Bikarbonat, das sich in der Schleimschicht des Magens ansammelt und Magensäure abschwächt.

Magensäure entsteht in den Magendrüsen, die in kleinen Grübchen der Magenschleimhaut liegen. Jede Magendrüse setzt sich aus unterschiedlichen Zelltypen zusammen. Hierzu zählen Nebenzellen, Hauptzellen und Belegzellen – letztere produzieren die Magensäure.

Darstellung der Magendrüsen in der Magenschleimhaut: Die Nebenzellen produzieren schützenden Schleim, die Belegzellen bilden unter anderem die Magensäure. In den Hauptzellen entstehen für die Verdauung wichtige Pepsinogene.

Die Belegzellen (Parietalzellen) bilden nicht nur Magensäure, sondern auch ein spezielles Eiweiß (sog. Intrinsic-Faktor). Das Eiweiß bindet Vitamin B12, sodass dieses unverdaut in den unteren Dünndarm gelangen kann, wo es zur Verwertung mit dem Blut abtransportiert wird.

Die Nebenzellen sondern zusammen mit oberflächlichen Schleimhautzellen (Mukosazellen) den Schleim ab, der die Magenschleimhaut schützt.

Die Hauptzellen produzieren sogenannte Pepsinogene. Dies sind Vorstufen des Enzyms Pepsin, welches bei der Verdauung von Eiweißen eine wichtige Rolle spielt. Erst bei Kontakt mit Magensäure werden die Pepsinogene in Pepsin umgewandelt.

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