Wüssten Sie's?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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"Gibt es wirklich Menschen, die Musik "sehen" können?"

Verknüpfte Sinne, gemischte Gefühle: Das Lieblingslied schallt aus den Boxen, aber man hört nicht nur die Instrumente und den Gesang, sondern sieht dazu auch unterschiedlichste Farben, die sich mit der Musik ändern. Aus einem Eindruck entstehen zwei. All das wirkt wie eine Phantasievorstellung, in der die Sinne verschmelzen. Oder sehen manche Menschen beim Musikhören wirklich zusätzlich Farben?

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Bei Synästhesie verschmelzen Sinneseindrücke förmlich. Betroffene nehmen Töne dann zum Beispiel auch als Farbe war oder sehen Buchstaben immer in bestimmten Farben.

Eine Verkopplung zweier Sinne existiert tatsächlich. Das Phänomen des Farbenhörens stellt die häufigste Ausprägung dieser so genannten Synästhesie dar (syn = zusammen; aisthesis = Empfinden). Synästhetiker verbinden einen Reiz mit mehreren Sinneswahrnehmungen. Beim Farbenhören erreicht ein Ton über das Ohr das Gehirn. Dieses reagiert prompt und erregt unmittelbar ein zweites Sinnesorgan: das Auge. Der Ton führt dazu, dass der Mensch im selben Moment vor seinem "inneren Auge" eine Farbe sieht. Das Farbenhören zählt wissenschaftlich zu den so genannten genuinen Synästhesien. Bei ihnen lösen äußere Wahrnehmungen (z.B. "Musik") von Geburt an unwillkürlich eine weitere Wahrnehmung (z.B. "Farbe") aus. Beim Farbenhören treten nicht stets exakt die gleichen Eindrücke kombiniert auf. Ein bestimmter Ton ruft nicht immer eine streng verknüpfte Farbe hervor. Doch die Grundfarbnuance bei der Wahrnehmung von Musik bleibt beim Farbenhören gleich – die Farbunterschiede ergeben sich zum Beispiel aus der Klangqualität.

Erst seit wenigen Jahren erforschen Wissenschaftler die Synästhesie mit Nachdruck. Bei Synästhetikern vernetzt sich das Gehirn auf außergewöhnliche Weise – das seltene Phänomen betrifft mehr Frauen als Männer. In aller Regel sind Synästhetiker völlig gesund. Wer zu den "Farbenhörern" gehört, empfindet Musik wohl einfach etwas bunter als die anderen. Klagen hört man nur selten: Die meisten Synästhetiker erfreuen sich ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Thomas Kresser (ehem. Chefredakteur)
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