Gibt es wirklich Personen, die die Gesichter vertrauter Menschen nicht erkennen können?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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"Gibt es wirklich Personen, die die Gesichter vertrauter Menschen nicht erkennen können?"

Andere grüßen einen nett, lächeln herzlich und sprechen einen mit dem Namen an: So geschieht es vielen täglich mehrere Male. Doch wie reagieren, wenn einem nicht klar ist, wer da eigentlich gerade so offen losplaudert? Jeder kennt die Situation, dass es bei einem zufälligen Treffen auf der Straße nicht sofort "Klick" macht und sich nicht direkt auflöst, woher man das Gesicht des anderen kennt und wie er heißt. Aber gibt es auch Menschen, die einer vertrauten Person ins Gesicht schauen und sie nicht erkennen, also gewissermaßen "gesichtsblind" sind?

In der Tat kennt die Wissenschaft ein Phänomen, bei dem Personen nicht in der Lage sind, das Gesicht eines vertrauten Menschen zu erkennen. Die sogenannte Gesichtsblindheit (medizinisch Prosopagnosie) ist für die Betroffenen äußerst unangenehm: In schweren Fällen gelingt es ihnen mitunter nicht, die Frau oder das Kind zu erkennen – auch das eigene Spiegelbild kann fremd erscheinen. Ursache ist weder eine Störung des Sehapparats noch Vergesslichkeit: Die Betroffenen erkennen Gesichter zwar als Kombination aus Einzelteilen wie Augen, Nase und Mund – sie können aber die Information "Gesicht" nicht zu einer entsprechenden Erinnerung an einen bekannten Menschen zuordnen.

Überraschend mag klingen, dass mindestens jeder Fünfzigste von der angeborenen Gesichtsblindheit betroffen ist – Frauen und Männer gleichermaßen. Sie bleibt nämlich oft unentdeckt, da die Betroffenen nicht wissen, dass ihnen etwas fehlt. Strategien, mit denen sie Menschen an Stimme, Kleidungsstil, Bewegungsart oder Ähnlichem erkennen, helfen ihnen durchs Leben.

Denken Sie also daran, wenn Sie einmal in Verlegenheit geraten: Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass Ihr Gegenüber Sie in dem Moment auch nicht erkennt!

Thomas Kresser (ehem. Chefredakteur)
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