Galle

Veröffentlicht von: Wiebke Raue

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Wofür braucht der Körper eigentlich Galle? Ist mit "Galle" die Gallenblase gemeint? Und was hat die Leber mit der Galle zu tun? Viele Menschen beschäftigen sich mit diesen Fragen erst, wenn sie Beschwerden haben, etwa durch Gallensteine. Doch ohne Galle könnte die Verdauung nicht reibungslos ablaufen.

"Ich wurde an der Galle operiert" – Sätze wie diesen hat sicher der ein oder andere schon aus seinem Bekanntenkreis gehört. Ganz korrekt ist diese Aussage jedoch nicht: Streng genommen handelt es sich bei der Galle um die Flüssigkeit, die in den Zellen der Leber produziert wird – und nicht etwa um die Gallenblase, die vom Erzähler eigentlich gemeint ist.

Gallenflüssigkeit – kurz Galle – und Gallenblase sind also nicht dasselbe. Die Gallenblase ist vielmehr das Organ, das die Gallenflüssigkeit vorläufig speichert.

Ohne Leber keine Galle: Die Leber gibt kontinuierlich Gallenflüssigkeit ab – täglich kommen etwa 600 bis 700 Milliliter Galle zusammen. Im Wesentlichen erfüllt Galle zwei wichtige Aufgaben im Körper:

Galle besteht überwiegend aus Wasser. Zudem enthält sie insbesondere

Von der Leber in den Darm

Jeden Tag geben die Leberzellen die gelbliche Gallenflüssigkeit in kleinste Gallenkanäle ab. Während einer Mahlzeit passiert die Galle die Gallengänge der Leber und gerät in den sogenannten Hauptgallengang, der direkt im Zwölffingerdarm mündet. Dort angekommen, kann die Galle ihre Aufgaben erfüllen.

Nehmen wir gerade keine Nahrung zu uns, benötigt der Darm weniger Gallenflüssigkeit. In diesem Fall fließt die Galle nicht in den Zwölffingerdarm, sondern gelangt in eine Art Reservoir – in die Gallenblase.

Dieser Mechanismus funktioniert mithilfe eines Schließmuskels (der sog. Musculus sphincter Oddii), der sich im Bereich der Mündung des Gallenganges in den Zwölffingerdarm befindet. Wird keine Galle benötigt, ist der Schließmuskel angespannt – die Galle kann nicht in den Darm gelangen. Die Folge: Gallenflüssigkeit staut sich vor dem Schließmuskel und wird über den Gallenblasengang in die Gallenblase umgeleitet. Dort verbleibt sie, bis sie im Zwölffingerdarm benötigt wird.

Die Gallenblase kann etwa 50 bis 60 Milliliter Gallenflüssigkeit speichern. Sie kann ihr Speicherpotenzial jedoch beträchtlich steigern – indem sie die Galle eindickt. Wasser und Kochsalz gehen dabei ins Blut. Das Volumen der Gallenflüssigkeit beträgt nach dem Eindicken nur noch ein Zehntel des ursprünglichen Volumens. Dadurch liegen die restlichen Bestandteile der Galle, etwa Gallensalze, Cholesterin, Lezithin und Bilirubin, in hoch konzentrierter Form vor.

Braucht der Darm wieder neue Galle als Verdauungshelfer, muss diese aus der Gallenblase freigesetzt werden. Das Signal für die Gallenblase gibt der Botenstoff Cholezystokinin (CCK): Spezielle Zellen im Dünndarm geben dieses Peptidhormon ab, sobald fetthaltige Nahrung in den Dünndarm gelangt. Es bewirkt, dass der Schließmuskel an der Gallengangmündung erschlafft – der Weg zum Zwölffingerdarm ist nun frei.

Gleichzeitig zieht sich die Gallenblase zusammen und gibt dadurch Gallenflüssigkeit in den Gallenblasengang ab. Die Galle kann nun ungehindert ihren Aufgaben im Zwölffingerdarm nachgehen. Neben dem Hormon CCK hat auch das vegetative Nervensystem einen Einfluss darauf, ob die Muskeln angespannt oder schlaff sind – somit spielt auch Stress eine wichtige Rolle bei der Verdauung.

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Gallenflüssigkeit aus der Leber gelangt entweder direkt in den Zwölffingerdarm – oder wird in der Gallenblase gespeichert.

Haben die Gallensäuren ihre Aufgaben im Darm erfüllt, werden sie nicht etwa ausgeschieden – sondern wiederverwertet: Über den Blutweg gelangen über 90 Prozent wieder zurück in die Leber. Von dort aus werden sie erneut "auf die Reise geschickt". Dieser Kreislauf heißt auch enterohepatischer Kreislauf (entero = Darm, hepar = Leber). Die Leber muss also nur einen geringfügigen Anteil Galle neu produzieren.

Lebergalle und Blasengalle

Die in den Leberzellen gebildete gelbliche Gallenflüssigkeit bezeichnen Mediziner als Lebergalle oder Primärgalle. Gelangt die Lebergalle in die Gallenblase und wird dort konzentriert, spricht man von Blasengalle. Im Gegensatz zur Lebergalle enthält die Blasengalle weniger Wasser und hat eine grün-braune Farbe.

Dass Galle für unseren Körper wichtig ist, merken wir oft erst, wenn es zu Störungen kommt: Wird beispielsweise nicht ausreichend Galle produziert oder ist der Gallefluss gestört, können Nahrungsfette nicht mehr ausreichend verdaut werden – sog. Fettstühle sind die Folge. Der Stuhlgang sieht dann lehmartig und glänzend aus und hat eine klebrige Konsistenz.

Ein anderes Beispiel sind Gallensteine: Befindet sich etwa zu viel Cholesterin in der Gallenflüssigkeit, kann es verklumpen und einen Gallenstein bilden, der zu Beschwerden führen kann.

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