Das Gedächtnis – Erinnern und Vergessen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Egal, ob wir uns an den ersten Kuss in unserer Jugend erinnern oder an das gerade vergangene Gespräch mit dem Chef: Ohne Gedächtnis wären wir aufgeschmissen.

Wie belastend ein beeinträchtigtes Gedächtnis sein kann, wird am Beispiel von Menschen mit Demenz eindrucksvoll deutlich. Während das Kurzzeitgedächtnis bei einer Demenz früh beeinträchtigt ist, verblasst die Erinnerung an Vertrautes und früher Erlerntes erst in späten Krankheitsstadien. Vertraute Personen und Orte werden dann nicht mehr erkannt.

Ob im Gedächtnis aufgenommene Informationen gespeichert werden oder ob die Daten wieder verloren gehen, hängt von einem komplexen Prozess ab. Sämtliche Informationen, die der Mensch täglich aufnimmt, werden vor dem Speichern unbewusst sortiert, zusammengefasst, bewertet und mit Emotionen verknüpft.

Das Kurzzeitgedächtnis: Nützlicher Zwischenspeicher

Das Kurzzeitgedächtnis kommt nahezu permanent zum Einsatz. Ohne seine Funktion könnten wir uns an Ereignisse oder Erfahrungen, die unmittelbar passiert sind, nicht erinnern. Die Speicherkapazität des Kurzzeitgedächtnisses ist allerdings begrenzt: Kommen neue Inhalte hinzu oder lenkt uns etwas ab, werden die alten Informationen durch die neuen ersetzt. Und auch zeitlich stößt das Kurzzeitgedächtnis schnell an seine Grenzen: Oft verweilen Informationen im Zwischenspeicher des Gehirns nicht länger als eine halbe Minute. Jedoch kann aus den kurzweiligen Informationen langfristiges Wissen entstehen. Hierzu müssen die Informationen vom Langzeitgedächtnis aufgenommen werden.

Das Langzeitgedächtnis: Unbegrenzte Kapazität

Durch Wiederholung und Lernen gelangen zuvor selektierte Informationen aus dem Kurz- in das Langzeitgedächtnis. Die "Festplatte" des Gehirns verfügt dabei über eine unbegrenzte Speicherkapazität. Dadurch ist es zum Beispiel möglich, dass der Mensch sich auch an Ereignisse erinnern kann, die lange Zeit zurückliegen.

Auch wenn es erstaunlich klingt: Alle Inhalte, die einmal in das Langzeitgedächtnis gelangt sind, bleiben dort dauerhaft erhalten. Dabei bilden sich regelrechte Gedächtnisspuren, sogenannte Engramme, die das Erinnern mithilfe biochemischer Verbindungen ermöglichen.

Wie wir vergessen

Finden Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis nicht den Weg in das Langzeitgedächtnis – zum Beispiel, weil wir sie als unwichtig erachten – werden sie rasch wieder gelöscht: Die eben noch präsente Telefonnummer ist dann zum Beispiel ebenso aus dem Gedächtnis verschwunden wie die Erinnerung an den vorletzten Werbespot im Fernsehen.

Anders sieht es beim Langzeitgedächtnis aus. Man geht davon aus, dass beim Vergessen die im Langzeitgedächtnis enthaltenen Daten zwar weiterhin vorhanden sind, jedoch nicht abgerufen werden können.

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