Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht): Therapie

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (09. Oktober 2015)

Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht) bedarf einer langen Therapie. Der erste Schritt ist besonders schwer, aber auch besonders wichtig: Viele Alkoholiker wollen zunächst nicht wahrhaben, dass sie ein Problem mit Alkohol haben und eine Therapie benötigen. Sie können es sich meist erst spät eingestehen, dass sie krank sind. Zudem schämen sich manche Menschen für ihre Alkoholabhängigkeit, oder sie haben Angst, die Droge zu verlieren. Entsprechend lang dauert es oft, bis ein Alkoholiker Hilfe bekommt und annimmt. Voraussetzung für jede Therapie ist, dass der Betroffene wirklich bereit ist, abstinent zu werden.

Als erste Anlaufstelle kann beispielsweise der Hausarzt dienen, aber auch eine Beratungsstelle oder eine Selbsthilfegruppe.

Bei Alkoholismus ist eine fachkundige Therapie unumgänglich. Nur kleiner Teil der Alkoholiker schafft es – mit Unterstützung von nahestehenden Menschen – ohne weitere Hilfe abstinent zu werden. Ziel der Therapie ist es, lebenslang abstinent zu bleiben. "Kontrolliertes Trinken" bei Alkoholabhängigkeit hat selten Erfolg, sondern führt oft zu einem Rückfall.

Heutzutage gibt es viele individuelle Möglichkeiten, einen Entzug zu machen. Alkoholismus ist eine Krankheit, deren Therapie von den Krankenkassen bezahlt wird.

Bei Alkoholabhängigkeit gliedert sich die Therapie meistens in vier Abschnitte:

PhaseBeschreibung
Kontaktphase Die Person nimmt Kontakt zu einem Arzt oder einer Beratungsstelle auf. Er wird ärztlich untersucht und umfassend über seine Erkrankung informiert. Es kann auch vorkommen, dass ein Betroffener den Arzt aufgrund von anderen Beschwerden aufsucht, den Alkoholismus aber leugnet oder verschweigt. In diesem Fall ist es Aufgabe des Arztes, das Problem offen anzusprechen und den Patienten zu einer Therapie zu motivieren.
Entzugsphase / Entgiftungsphase In der Kontaktphase wurde abgeklärt, ob eine Entgiftung notwendig ist. Diese kann ambulant oder auch stationär durchgeführt werden. Die auftretenden Entzugserscheinungen können mit Medikamenten gemildert werden. In weiteren Gesprächen klären Arzt und Patient, wie eine weitere Behandlung aussehen kann. Im Allgemeinen dauert der Entzug bis zu vier Wochen. Nach der Entzugstherapie muss der entwöhnte Alkoholkranke aber weiterhin psychisch betreut werden, denn die Gefahr eines Rückfalls ist groß.
Entwöhnungsphase In der Entwöhnungsphase ist eine Unterstützung durch eine psychotherapeutische oder soziotherapeutische Behandlung sinnvoll, die mehrere Monate dauert, um die Abstinenz zu festigen. Sie wird entweder ambulant oder stationär durchgeführt und kann als Einzel- oder Gruppentherapie stattfinden.
Nachsorge Nach der Entwöhnungsphase sollte eine ambulante Nachbehandlung mit Rehabilitation erfolgen, zum Beispiel in einer Tagesklinik. Zudem ist es sinnvoll, Kontakt zu einer Beratungsstelle, einer Fachambulanz oder einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen. Die Nachsorge kann Jahre oder auch Jahrzehnte andauern.

Alkoholismus ist nicht heilbar. Die Gefahr, nach der Therapie einen Rückfall zu erleiden, besteht lebenslang, insbesondere innerhalb des ersten Jahres nach einem Entzug.

Alkoholentzug und Entwöhnung

Der Alkoholentzug im Rahmen einer Therapie stellt für den Alkoholiker eine besonders schwere Phase dar: Er muss lernen, in Zukunft ohne Alkohol auszukommen. Beim Alkoholentzug verzichtet die betroffene Person auf Alkohol – es treten Entzugserscheinungen auf, da sich der Körper bereits an die Droge gewöhnt hat.

Eine Ärztin unterhält sich mit einer Patientin. © Jupiterimages/iStockphoto

Ein Alkoholentzug sollte mit fachlicher Unterstützung erfolgen.

Personen, die schon längere Zeit Alkoholiker sind, müssen bei einem Alkoholentzug mit starken Entzugserscheinungen rechnen, die in manchen Fällen lebensbedrohlich sein können. Aus diesem Grund sollten sich Betroffene nicht scheuen, kompetente Hilfe aufzusuchen und so rasch wie möglich mit dem Alkoholentzug unter ärztlicher Aufsicht beginnen.

In der Regel erfolgt ein Alkoholentzug im Rahmen einer stationären Therapie. Hierfür stehen Abteilungen in Kliniken zur Verfügung, die sich darauf spezialisiert haben, Alkoholiker zu behandeln (sog. "qualifizierte Entzugsbehandlung"). Dabei geht es nicht nur um den rein körperlichen Alkoholentzug ("Entgiftung"), sondern auch darum, die Erkrankung aus psychologischer Sicht zu verstehen und zu bewältigen. So ist es beispielsweise wichtig, die Motivation des Betroffenen aufrechtzuerhalten und zu stärken, damit er nach dem Alkoholentzug nicht rückfällig wird. Dabei kommen Gruppen- und Einzeltherapiesitzungen zum Einsatz. Darüber hinaus können während des stationären Aufenthalts mögliche Folgeerkrankungen der Alkoholabhängigkeit behandelt werden. Ziel ist es, nach dem Alkoholentzug wieder ein Leben ohne Alkohol führen zu können.

An den Alkoholentzug schließt die Entwöhnungsphase an. Es empfiehlt sich, direkt nach dem Alkoholentzug eine stationäre Therapie in einer Entwöhnungsfachklinik durchzuführen, die sich über mehrere Monate erstreckt. Alternativ ist es auch möglich, eine teilstationäre oder eine regelmäßige ambulante Entwöhnungstherapie zu wählen, wenn der Alkoholentzug abgeschlossen ist. Die Angehörigen können in die ambulante Therapie mit eingebunden werden und den Alkoholiker dabei unterstützen, weiterhin abstinent zu bleiben.

Warmer und kalter Entzug

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen Alkoholentzug durchzuführen. Eine Möglichkeit ist ein sogenannter kalter Entzug: Dabei erfolgt die Therapie ohne medikamentöse Unterstützung, in der Regel aber mit entsprechender Betreuung. Aber auch außerhalb eines therapeutischen Rahmens ist ein kalter Entzug möglich: Manche Alkoholiker versuchen, ihre Erkrankung ohne professionelle Hilfe in den Griff zu bekommen. Sie haben beispielsweise Bedenken, einen Arzt aufzusuchen, weil sie sich für ihr Verhalten schämen, möchten aber auf Alkohol verzichten können. So entscheiden sie sich für einen eigenmächtigen kalten Entzug, ohne von einem Experten unterstützt zu werden. Jedoch birgt ein selbstständiger kalter Entzug gewisse Risiken: Ein Alkoholentzug kann mit teilweise heftigen körperlichen Symptomen verbunden sein, sodass ein kalter Entzug möglichst unter fachkundiger Aufsicht erfolgen sollte – im Idealfall in einer Klinik. Gerade ein kalter Entzug, bei dem die Beschwerden nicht durch Arzneimittel gelindert werden, kann mit Komplikationen verbunden sein. So kann ein Alkoholdelir (Delirium tremens) auftreten, bei dem Symptome wie Halluzinationen, Angstzustände, Verwirrtheit, Zittern, Erregung, Krämpfe oder Schwitzen im Vordergrund stehen. Ein kalter Entzug dauert im Rahmen einer Behandlung in der Regel bis zu zwei Wochen.

Im Gegensatz zum kalten Entzug verabreicht der Therapeut beim warmen Entzug Medikamente, um die Entzugserscheinungen des Betroffenen zu lindern. Dies hat zum einen den Vorteil, dass der Alkoholiker weniger unter den Symptomen leidet, die bei Abstinenz entstehen. Zum anderen erhöht sich damit die Chance, dass der Alkoholiker die Therapie nicht vorzeitig abbricht und rückfällig wird.

Egal, ob kalter oder warmer Entzug: Ein Alkoholentzug ist wohl für jeden Alkoholiker eine Behandlung, die viel Durchhaltevermögen und einen eisernen Willen erfordert – aber es lohnt sich!

Eine Selbsthilfegruppe kann zusätzlichen Halt bieten: Unter Gleichgesinnten können die Betroffenen gemeinsam lernen, mit der Krankheit umzugehen und sich gegenseitig motivieren und stützen. Auch kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe dazu beitragen, soziale Kontakte zu knüpfen und wieder aktiver zu werden.


Wie oft trinken Sie alkoholhaltige Getränke?