Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht): Was ist Alkoholismus?

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (09. Oktober 2015)

Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht) ist eine chronische Verhaltensstörung, bei der eine Person über das soziale Maß hinaus Alkohol konsumiert und die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum weitgehend verloren hat. Dabei entsteht eine körperliche und psychische Abhängigkeit. Die Alkoholsucht wird so groß, dass alles andere unwichtig wird. Der Alkoholiker ist nicht in der Lage, seinen übermäßigen Alkoholkonsum dauerhaft zu stoppen.

Eine Vorstufe zu Alkoholsucht ist der Alkoholmissbrauch der Übergang ist fließend. Missbrauch liegt immer dann vor, wenn jemand deutlich mehr Alkohol trinkt als empfohlen und wenn es dabei zu psychischen, körperlichen oder sozialen Auswirkungen kommt. Der Übergang in die Abhängigkeit verläuft meist schleichend – plötzlich kann der Konsument etwa nicht mehr auf das Bier am Feierabend verzichten.

Bei Alkoholabhängigkeit kann man verschiedene Typen unterscheiden. Eine häufig verwendete Einteilung der Alkoholsucht ist die nach dem Trinkverhalten. Demnach gibt es fünf Typen (nach Jellinek):

TypBeschreibung
Alphatrinker Der Alphatrinker ist ein Konflikttrinker. Er trinkt, um psychische oder körperliche Probleme zu bewältigen. Der Alphatrinker ist in der Lage, für eine gewisse Zeit abstinent zu bleiben. Er ist nicht körperlich, jedoch psychisch von Alkohol abhängig.
Betatrinker Der Betatrinker ist Gelegenheitstrinker. Bei sozialen Anlässen trinkt er übermäßig viel, behält jedoch die Kontrolle. Er kann zeitweise abstinent bleiben.
Gammatrinker Der Gammatrinker gilt als der "klassische" Alkoholiker. Konsumiert er Alkohol, verliert er die Kontrolle über die Menge. Er entwickelt eine Abhängigkeit mit körperlichen und sozialen Problemen.
Deltatrinker Der Deltatrinker ist auch als Spiegeltrinker bekannt. Der Betroffene ist abhängig und nicht in der Lage, abstinent zu bleiben. Er benötigt immer eine gewisse Menge Alkohol. Er trinkt aus Gewohnheit, verliert jedoch selten die Kontrolle über die Trinkmenge.
Epsilontrinker Der auch als Quartalssäufer bezeichnete Epsilontrinker trinkt phasenweise über Tage oder Wochen hinweg exzessiv Alkohol.

Die häufigsten Trinktypen sind dabei der Gamma- und der Deltatrinker.

Nicht jeder Mensch, der regelmäßig trinkt, wird zwangsläufig zum Alkoholiker. Vielmehr bestimmen viele Faktoren, ob eine Alkoholsucht entsteht. Hierzu zählen zum Beispiel die Persönlichkeit eines Menschen, aber auch eine genetische Veranlagung, persönliche Probleme und das soziale Umfeld.

Suchtgedächtnis

Einmal entstanden, kann man eine Alkoholsucht ohne professionelle Hilfe nur schwer überwinden. Grund ist insbesondere das Suchtgedächtnis. Botenstoffe wie Dopamin und Endorphine werden ausgeschüttet und verhelfen zu einem Glücksgefühl. Das Belohnungssystem lernt, dass die Droge Alkohol zu – wenn auch nur vorübergehendem – Wohlbefinden führt. Alkohol hat also eine belohnende Wirkung.

Suchtgedächtnis © Jupiterimages/iStockphoto

Das Suchtgedächtnis sorgt dafür, dass schon kleinste Reize wieder zu einem Rückfall führen können.

 

Je öfter man diese Belohnung wiederholt, desto mehr entstehen im Gehirn bestimmte Verknüpfungen von Nervenzellen (Neuronen) – das Suchtgedächtnis entwickelt sich. Die gelernte Belohnung bleibt im Suchtgedächtnis dauerhaft abgespeichert: Selbst Jahre nach einem Entzug können daher Schlüsselreize wie der Geruch von Alkohol oder der Anblick einer Weinflasche wieder zu einem Rückfall führen, weil das Suchtgedächtnis aktiv wird.


Wie oft trinken Sie alkoholhaltige Getränke?