Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht): Co-Abhängigkeit

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (09. Oktober 2015)

Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht) ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen selbst, sondern meist auch für die Familienmitglieder, Freunde und andere nahestehende Personen: Diese geraten häufig in eine sogenannte Co-Abhängigkeit.

Ungefähr acht Millionen Menschen leben in Deutschland eng mit einem alkoholabhängigen Menschen zusammen. Sie sind selbst nicht alkoholabhängig, doch sie leiden insbesondere zu Beginn oft mehr unter den Folgen des Alkoholismus als der Abhängige selbst. Co-Abhängige sorgen sich meist sehr um die Gesundheit des Betroffenen und kämpfen mit den zusätzlichen Belastungen, die in der Familie auf sie zukommen. Hierzu zählen beispielsweise finanzielle Schwierigkeiten aufgrund der Alkoholabhängigkeit. Zudem müssen sie etwa Aufgaben und Verantwortung übernehmen, für die sonst der Partner oder die Partnerin zuständig war, so zum Beispiel die Kindererziehung. Personen in Co-Abhängigkeit versuchen alles, um der nahestehenden Person zu helfen und bringen viel Verständnis für die Situation des Betroffenen auf. Meist tritt Co-Abhängigkeit in einer Paarbeziehung auf – der Großteil der Co-Abhängigen sind Frauen.

Probleme bereitet Co-Abhängigen oft auch die gestiegene Gewaltbereitschaft gerade bei männlichen Alkoholikern, die auch zu sexuellen Übergriffen führen kann.

Ein Paar streitet. © iStock

Angehörige geraten oft in eine Co-Abhängigkeit.

Ist eine Person co-abhängig, verwendet sie oft viel Energie darauf, den Alkoholismus vor der Außenwelt zu verbergen; eigene Bedürfnisse stellt sie in den Hintergrund. Die Co-Abhängigkeit wirkt sich daher auch gesundheitlich aus und kann zu Symptomen unterschiedlichster Art führen. Hierzu zählen beispielsweise Schlaflosigkeit, Nervosität, Depression oder Magenprobleme – schlimmstenfalls kann ein Co-Abhängiger selbst zum Alkoholiker werden. Auch kann es passieren, dass sich der Co-Abhängige von der Außenwelt zurückzieht, aus Scham, dass jemand das Problem seines Partners entdecken könnte.

Viele Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen bieten Personen in der Co-Abhängigkeit Hilfestellungen an. Wer co-abhängig ist und sich in seiner Situation überfordert fühlt, sollte sich nicht scheuen, derartige Einrichtungen zu besuchen und sich beraten zu lassen!


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