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Brustkrebs (Mammakarzinom)

Adjuvante Therapie

Autor: Onmeda-Redaktion

Die ergänzende (adjuvante) Therapie hat das Ziel, im Körper verbliebene Krebszellen oder Mikrometastasen zu vernichten und so zu verhindern, dass der Brustkrebs erneut auftritt (rezidiviert). Die adjuvante Therapie wird abhängig vom Krankheitsstadium eingesetzt – bei Frauen mit einem sehr geringen Rezidivrisiko kann man darauf verzichten.

In der Regel besteht die adjuvante Therapie aus Hormon- und/oder Chemotherapie und schließt sich unmittelbar an die Primärtherapie an. Welches Therapieverfahren das Richtige ist, hängt in erster Linie vom Befall der Lymphknoten und von der Tumorgröße ab. Weitere Kriterien sind die Hormonempfindlichkeit des Tumors sowie der Menopausen-Status der Patientin, also ob sie bereits in den Wechseljahren ist oder nicht.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie gehört zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Brustkrebs-Behandlung. Sie dient dazu, eventuell verbliebene Krebszellen abzutöten und senkt so die Gefahr, dass der Krebs wieder auftritt. Die Bestrahlung nach brusterhaltender Therapie vermindert das Risiko für einen Krankheitsrückfall (Rezidiv) um 70 Prozent, unabhängig vom Alter der Betroffenen und vom Erkrankungsstadium.

Nach einer Radikaloperation wird individuell geprüft, ob eine Strahlentherapie notwendig ist. Sinnvoll ist sie unter anderem, wenn der Tumor größer als fünf Zentimeter war oder wenn der Krebs den Brustmuskel befallen hat.

Die Strahlenbehandlung bei Brustkrebs erstreckt sich über fünf Tage pro Woche. Die Gesamtdauer richtet sich nach der Höhe der Einzel- und der Gesamtdosis. Im Mittel liegt sie zwischen fünf und sieben Wochen. Die einzelne Bestrahlung dauert nur wenige Minuten. Sie ist nicht schmerzhaft, doch kann die Haut gereizt und gerötet sein. Gegen Ende der Strahlenbehandlung sind die Patientinnen häufig körperlich erschöpft und fühlen sich müde. Diese Beschwerden bessern sich jedoch innerhalb weniger Wochen wieder. Bleibende Veränderungen, wie eine verstärkte Pigmentierung der Haut sowie kleine, spinnenartig erweiterte Blutgefäße im Strahlenfeld sind selten.

Abhängig vom histologischen Befund des Brustkrebses wird bei jeder Patientin individuell entschieden, ob neben der Bestrahlung der Restbrust und der Brustwand auch die Lymphabflusswege in der Achselhöhle, der Schlüsselbeingrube oder der mittleren Brustwand mitbestrahlt werden müssen.

Eine moderne Bestrahlungsmethode ist die Brachytherapie. Sie wird zurzeit in Studien erprobt und ist noch kein Standard. Hierbei werden radioaktive Quellen direkt im Gewebe platziert. Die restliche Brust und die umgebenden Organe sind von der Bestrahlung nicht betroffen. Die Behandlung ist schonender und kürzer als die konventionelle Bestrahlung.

Chemotherapie

Die Chemotherapie bei Brustkrebs erfolgt mit so genannten Zytostatika, die in der Regel über die Venen in die Blutbahn gegeben werden. Bei Brustkrebs werden vor allem so genannte Anthrazykline eingesetzt; bei Lymphknoten-Metastasen in der Achselhöhle gegebenenfalls zusätzlich Taxane. Zytostatika sind Zellgifte, die in erster Linie Krebszellen angreifen. Dennoch ziehen Chemotherapeutika auch gesunde Zellen in Mitleidenschaft, insbesondere in schnell wachsenden Geweben wie der Haut, dem Knochenmark, der Magen- und Darmschleimhaut und den Haarwurzeln. Daher verursachen sie Nebenwirkungen, die sich allerdings mit anderen Medikamenten zumindest teilweise eindämmen lassen.

Die zyklische Verabreichung der Chemotherapie hat den Vorteil, dass sich die Frau regelmäßig von eventuellen Nebenwirkungen erholen kann und es dennoch gesichert ist, dass die Medikamente über einen verlängerten Zeitraum wirken.

Eine weitere Form ist die orale Chemotherapie, in der die Medikamente über den Mund (oral) eingenommen werden. Die orale Chemotherapie hat den Vorteil, dass Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Haarausfall treten bei diesen Wirkstoffen deutlich seltener oder sogar gar nicht auftreten und die Wirkstoffe selbstständig zu Hause oder unterwegs eingenommen werden können.

Hormontherapie

Viele Mammakarzinome sind hormonabhängig, das heißt bestimmte körpereigene Botenstoffe regen die Krebszellen zum Wachstum an. Der wichtigste ist das weibliche Sexualhormon Östrogen. Das bedeutet umgekehrt, dass sich das Wachstum des Tumors durch eine Hormontherapie, also die Gabe von Substanzen, welche die Wirkung der Hormone unterbinden, bremsen lässt.

Wenn der Tumor hormonpositiv ist, erfolgt eine Hormontherapie. Zur Hormontherapie von Brustkrebs stehen verschiedene Substanzen zur Verfügung, die sich in ihrer Wirkungsweise unterscheiden. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist das Antiöstrogen Tamoxifen. Es verhindert die Bindung von Östrogen an die Östrogenrezeptoren, indem es selbst an diese andockt und sie damit besetzt. Das Prinzip heißt kompetitive Hemmung.

Tamoxifen wird vorwiegend vor dem Eintritt der Wechseljahre (prämenopausal) eingesetzt. Die Hormontherapie erstreckt sich dann über etwa fünf Jahre und wird im Allgemeinen gut vertragen. Potenzielle Nebenwirkungen von Tamoxifen sind jedoch beispielsweise Hitzewallungen, Schweißausbrüche sowie ein erhöhtes Risiko von Thrombosen, Embolien und Gebärmutterschleimhautkrebs. Die Hormonbehandlung kann mit einer Chemotherapie kombiniert werden.

Eine erweiterte Therapiemöglichkeit bei hormonpositivem Brustkrebs ist die Behandlung mit Aromatasehemmern wie Letrozol. Aromatasehemmer sind Substanzen, die ein Enzym, das für die Bildung von Östrogen außerhalb der Eierstöcke von Bedeutung ist, hemmen. Sie werden vor allem nach den Wechseljahren (postmenopausal) über fünf Jahre eingenommen. Bei Unverträglichkeiten von Tamoxifen sind sie auch bei jüngeren Frauen sinnvoll; umgekehrt können Frauen nach den Wechseljahren, die keine Aromatasehemmer vertragen, auf Tamoxifen wechseln. Die Behandlung mit Letrozol über weitere fünf Jahre vermindert bei Frauen nach den Wechseljahren die Brustkrebs-Rückfallrate und verbessert auch die Überlebensrate, wenn Lymphknoten-Metastasen vorlagen.

Östrogen wird vor allem in den Eierstöcken gebildet. Deshalb besteht eine weitere, zusätzliche Behandlungsmöglichkeit von hormonpositivem Brustkrebs darin, mit bestimmten Medikamenten, den so genannten GnRH-Analoga, die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken auszuschalten. Außerdem kann die Eierstockfunktion mittels Bestrahlung oder operativ ausgeschaltet werden.

Radikaloperation

Die Radikaloperation (Mastektomie), also die Entfernung der gesamten Brust, war einst die gängige Therapie von Brustkrebs. Seit es möglich ist, den Tumors mit einem bestimmten Sicherheitsabstand gezielt zu entfernen, wird die radikale Mastektomie nur noch selten angewendet.

Unter bestimmten Umständen ist sie bei Brustkrebs jedoch unumgänglich:

  • Es sind mehrere Krebsherde in einer Brust vorhanden.
  • Es besteht ein ungünstiges Verhältnis zwischen Tumorgröße und Restbrustgewebe.
  • Es kann keine Bestrahlung durchgeführt werden.

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