Sie befinden sich hier:

Startseite > Die Geschichte der Probiotika > 100 Jahre Forschung

Geschichte der Probiotika

100 Jahre Forschung

Autor: Onmeda-Redaktion

Von den Anfängen

Eine grundlegende Erkenntnis für die Probiotika-Forschung hatte 1885 der deutsche Kinderarzt Theodor Escherich (1857-1911). Er erforschte Darmbakterien und erkannte, dass die Bakterien der Darmflora nicht unbedingt schädlich sein müssen, nur weil sie Bakterien sind, sondern auch nützlich für die Gesundheit sein können. Ihm verdankt seitdem das wohl bekannteste Darmbakterium seinen Namen: Escherichia coli, oft abgekürzt zu E. coli.

Fast zur gleichen Zeit (1877) fand der Franzose Louis Pasteur (1822-1895) zusammen mit seinem Schüler Jules Joubert heraus, dass Bakterien den Milzbranderreger (Anthrax) im Wachstum hemmen. Schon damals überlegten die beiden Forscher, ob man Bakterien nicht zur Therapie von Erkrankungen einsetzen könnte.

Joghurt und Gesundheit

Anfang des 20. Jahrhunderts führte der russische Forscher Ilja Iljitsch Metschnikoff (1845-1916) das hohe Alter der bulgarischen Bevölkerung darauf zurück, dass bei ihnen traditionell viel Joghurt und andere angesäuerte oder vergorene Milchprodukte zum Speiseplan gehörten. Da Joghurt Milchsäurebakterien (Laktobazillen) enthält, schloss er daraus, dass der regelmäßige Verzehr die Zahl der Laktobazillen (Metschnikoff nannte sie damals "Bulgarische Bazillen") im Darm erhöht und dadurch positive Effekte auf die Gesundheit hat. Er vermutete auch, dass eine veränderte oder gestörte Darmflora umgekehrt mit Darmerkrankungen zusammenhängen könnte.

Metschnikoff wurde später Vizedirektor am Pariser Institut Pasteur, in dem mikrobiologische Forschungsarbeiten betrieben wurden – auch heute noch. 1908 erhielt er zusammen mit Paul Ehrlich für seine "Arbeit auf dem Gebiet der Immunität" den Nobelpreis für Medizin.

Entdeckung des Penicillins

1928 entdeckte der Schotte Alexander Fleming (1881-1951) das Penicillin und damit das erste Antibiotikum. Mithilfe der Antibiotika hatte man erstmals ein wirksames Mittel gegen bakterielle Infektionen zur Hand. Man erhoffte sich große therapeutische Möglichkeiten und konzentrierte viel Forschung auf das neue Feld. Bakterien galten nun als generell schädlich, so dass ihr therapeutischer Nutzen kaum noch erforscht wurde. Probiotika gerieten dadurch vorerst in den Hintergrund. Erst später stellte sich heraus, dass Antibiotika nicht nur Krankheitserreger im Körper abtöten, sondern auch nützliche Bakterien der Darmflora. Das bakterielle Gleichgewicht der Darmflora wird im Rahmen einer Antibiotika-Therapie daher oft aus dem Takt gebracht. Krankheitserreger können sich so rasch im Darm ansiedeln und Probleme verursachen. Zudem können sich bereits im Darm angesiedelte Mikroorganismen, die unempfindlich gegenüber dem Antibiotikum sind, stark vermehren und damit die Zusammensetzung der Darmflora nachteilig verändern.

Das Bild zeigt ein Mikroskop.

Aufwärtstrend

In den 1960er Jahren entstand schließlich der Begriff Probiotika, der anfangs noch eine etwas andere Bedeutung als heute hatte. Er setzt sich aus dem griechischen pro bios zusammen, was so viel wie für das Leben bedeutet. Während der 1980er Jahre stieg das Interesse an Probiotika wieder an, und Ende der 1980er Jahre erschienen die ersten probiotischen Joghurts in den Kühlregalen der deutschen Supermärkte. Seitdem wächst die Zahl der Studien zu Probiotika und deren Wirkung auf die Gesundheit. Mittlerweile sind zahlreiche Forschungsarbeiten veröffentlicht, die das Wissen über Probiotika deutlich vermehrt haben. So haben Probiotika nachweislich einen positiven Effekt auf Durchfallerkrankungen: Mithilfe von bestimmten Probiotika lässt sich die Dauer von Durchfall verkürzen, und möglicherweise kann man Durchfall damit auch vorbeugen. Andere beschleunigen die Darmpassage des Nahrungsbreis und können daher bei einer "trägen Verdauung" hilfreich sein. Außerdem können bestimmte probiotische Lebensmittel das Auftreten von Infekten verringern. Zahlreiche weitere Effekte sind inzwischen beschrieben. Grundsätzlich gilt aber, dass die positiven Eigenschaften von dem eingesetzten probiotischen Bakterienstamm und der Verzehrform abhängen. Daher lassen sich diese Eigenschaften nicht auf alle angebotenen Probiotika beziehungsweise probiotischen Produkte übertragen.

Mit weiteren Studien wollen Wissenschaftler Probiotika auch in Zukunft näher erforschen. Insbesondere die exakte Wirkungsweise der gesundheitsfördernden Bakterien im Darm ist hier von großem Interesse.

Lesen Sie in diesem Beitrag zum Thema

Die Geschichte der Probiotika

Das könnte Sie auch interessieren

Gesunder Darm

Gesunder Darm

Mehr über das Thema "Gesunder Darm" erfahren Sie hier. mehr ...

Weitere Themen:

Am häufigsten gelesen

Leben mit Krebs

Leben mit Krebs

Im Themenspecial finden Betroffene und Angehörige Informationen zu modernen Therapieformen sowie zur aktuellen Krebsforschung. mehr ...

Weitere Themen:

PartnerangeboteAnzeige

Disclaimer:

© 2012 gofeminin.de GmbH – Das Informationsangebot rund um die persönliche Gesundheit auf www.onmeda.de dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die auf Onmeda zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden. Bitte beachten Sie auch den Haftungsausschluss sowie unsere Hinweise zu den Bildrechten.