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Stand: 20. März 2012Autor: Onmeda-Redaktion
Ist die Geburtenrate beim Menschen saisonal beeinflusst? Die meisten Tiere wenden sich mit den länger werdenden Tagen im Frühjahr der Fortpflanzung zu, denn die Geburt von Jungtieren in den wärmeren Monaten des Jahres – wenn es also ausreichend Nahrung gibt – sichert den Fortbestand. Hier wirken sich "Frühlingsgefühle" beziehungsweise die länger werdenden Tage offenbar auf die Geburtenrate aus.
Die Tageslänge wird bei Mensch und Tier durch den Nucleus suprachiasmaticus (SCN) gemessen. Dieser befindet sich im Hypothalamus des Gehirns und überwacht das Tageslicht, das durch die Netzhaut des Auges fällt. Die Information über die Tageslänge wird dann an die Zirbeldrüse des Hirns weitergeleitet. Sie ist dafür verantwortlich, dass bei Dunkelheit oder Dämmerlicht das Hormon Melatonin freigesetzt wird, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert und den Schlaf fördert. Je länger die Nacht ist, desto mehr wird auch Melatonin ausgeschüttet. Mit den kürzer werdenden Nächten im Frühling produziert der Körper also auch weniger Melatonin und führt – bei einigen nach einer spürbaren Anpassungszeit (Frühjahrsmüdigkeit) – zu merklich mehr Energie.
Der Mensch ignoriert jedoch den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus schon lange mehr oder weniger stark. Künstliches Licht hat unseren Lebensalltag nachhaltig beeinflusst. Es ermöglicht uns, jahreszeitenunabhängig aktiv zu sein und die Nacht zum Tag zu machen, beeinflusst aber auch die Produktion des Hormons Melatonin. Denn durch das künstliche Licht wird weniger Melatonin freigesetzt, insbesondere, wenn der Blauanteil hoch ist.
Während sich bei den meisten Säugetieren die Geburtenrate saisonal verändert, ist dies beim Menschen in den letzten Jahrhunderten im Grunde nicht mehr festzustellen. Noch bis ins späte 16. Jahrhundert wurden im Frühjahr mehr Kinder geboren als im Rest des Jahres. Im März lag die Geburtenrate hier immerhin noch 20 Prozent über dem Durchschnitt. Demnach wurde der Nachwuchs also im Juni des Vorjahrs gezeugt, der astronomisch gesehen noch zum Frühjahr gehört. Seitdem ist dieser Anstieg jedoch stark abgeflacht und liegt heutzutage nur noch wenig über dem Durchschnitt. Dies hat wahrscheinlich verschiedene Ursachen: Abgesehen vom künstlichen Licht, das unser Leben beeinflusst und unseren Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt, zählen dazu sicherlich auch einige andere soziokulturelle Entwicklungen der letzten 400 Jahre, wie zum Beispiel die Entwicklung von Verhütungsmitteln – insbesondere der hormonellen Verhütung mithilfe der Pille. Wann frau schwanger werden will, bleibt ihr seitdem selbst überlassen.
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