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15.02.2013

Die Affäre um falsch deklariertes Pferdefleisch zieht Kreise in ganz Europa. Am heutigen Freitag wollen die EU-Staaten über Fleisch-Gentests entscheiden.
Nach dem Bekanntwerden des Pferdefleisch-Skandals wollen die EU-Staaten am Freitag (15. Februar) in Brüssel über die Einführung von europaweiten Gentests für verarbeitetes Rindfleisch entscheiden. Mit den Tests sollen die Aufsichtsbehörden feststellen, ob es sich bei den Proben um falsch deklariertes Pferdefleisch handelt. Unterdessen geht auch die Suche deutscher Behörden nach falsch deklarierten Fleischprodukten weiter. In zahlreichen Bundesländern wurden bereits tausende Tiefkühlprodukte aus den Regalen genommen.
Die Metro-Tochter Real und die Supermarktkette Edeka haben bereits Fertiggerichte mit Pferdefleisch entdeckt, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Kaiser's Tengelmann rechnet für Freitag mit Ergebnissen der eigenen Analysen für die aus dem Verkauf genommene A&P-Tiefkühllasagne.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Justizbehörden zu Ermittlungen aufgefordert. Wichtig sei auch, dass alle falsch gekennzeichneten Produkte schnell vom Markt genommen und Proben in den Labors gründlich untersucht werden, auch auf Arzneimittelrückstände, sagte Aigner der "Saarbrücker Zeitung".
In London gab es erste Hinweise auf Rückstände von Medikamenten in Pferdefleisch. Im Zusammenhang mit dem Lebensmittelbetrug wurden in Großbritannien drei Männer festgenommen. Nach Erkenntnissen französischer Ermittler hat der Lebensmittelhändler Spanghero wissentlich tonnenweise als Rind gekennzeichnetes Pferdefleisch vertrieben.
Nach dem Brüssler EU-Beschluss könnte es die ersten 2.500 Gentests im März geben, etwa 200 davon in Deutschland. Ergebnisse sollen EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg zufolge Mitte April veröffentlicht werden.
Um sicherzustellen, dass Verbraucher kein mit Medikamenten verseuchtes Fleisch zu sich nehmen, schlägt die EU-Kommission eine weitere Testreihe vor. Dabei sollen die Behörden Pferdefleisch auf mögliche Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersuchen. Das Mittel wird bei Pferden gegen Entzündungen eingesetzt. Es gilt auch als Doping-Mittel im Pferdesport. 1.500 in die EU eingeführte Pferdekadaver sollten untersucht werden, zudem 2.500 in Europa geschlachtete Tiere.
Service:
Rückfragen nimmt die Real-Kundenhotline unter der Telefonnummer 0800/5035418 montags bis samstags zwischen 8.00 und 20.00 Uhr entgegen.
Verdächtige Lasagne lieber nicht essen
Verbraucher, die entsprechende Tiefkühl-Produkte in ihrer Gefriertruhe haben, sollten wegen möglicher Rückstände von Doping- und Arzneimitteln vorsorglich auf den Verzehr verzichten und die Fertiggerichte ins Geschäft zurückbringen. Das rät Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. Zwar sei der Fleischanteil in den Produkten nicht so groß, dass akute Gefahr drohe. Aber aus vorbeugendem Gesundheitsschutz sollte man die Fertiggerichte lieber nicht essen. So gehe man sicher, nicht unwissentlich Medikamente zu sich zu nehmen. Wenn der Handel die Produkte aus den Regalen genommen hat, werde er auch das zurücknehmen, was Verbraucher noch aus ihrer eigenen Tiefkühltruhe holen, sagt Schauff. Kunden könnten damit rechnen, den Kaufpreis erstattet zu bekommen.
Brüssel/Berlin (dpa)
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