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06.10.2009: Lympherkrankungen oft zu spät erkannt

Diese Darstellung zeigt die primären und sekundären lymphatischen Organe des menschlichen Körpers.

­ Lympherkrankungen werden nach Expertenmeinung sehr häufig zu spät erkannt. Mehr als 1,5 Millionen Menschen seien Schätzungen zufolge erkrankt, sagte der Chefarzt des Gefäß- und Lymphzentrums Nord-West, Gerd Lulay.

"Über eine Million Menschen sind akut behandlungsbedürftig." Für verspätete Diagnosen sieht Lulay mehrere Ursachen. "Die Patienten gehen zu spät zum Hausarzt." Dieser würde oft unzureichend diagnostizieren oder falsch behandeln. "Hier gibt es großen Aufklärungsbedarf", so der Gefäßchirurg. Er leitet in Ochtrup im Münsterland die bundesweit erste Akutklinik für Lympherkrankungen.

Bei diesem Leiden schwellen die Extremitäten an, oft bilden sich chronische Wunden oder Wundrosen. Grund hierfür ist das nur noch mangelhaft funktionierende Lymphsystem der Patienten. Auch nach bösartigen Krebserkrankungen gibt es ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Die Lymphe kann dann nicht mehr von selbst durch den Körper gepumpt werden, sondern setzt sich in Armen, Beinen, oder auch am Bauch ab.

"Die Diagnose von Lympherkrankungen ist eigentlich nicht so schwierig", sagte Lulay. Das Thema stehe allerdings erst seit wenigen Jahren auf der Agenda der Mediziner. "An den Universitäten kümmert man sich um diese Erkrankungen nur sehr wenig." Dementsprechend sei auch die Forschung nicht hinreichend. Allerdings würden momentan verschiedene ambulante Zentren für Lympherkrankungen entstehen.

Lulay sieht die Tendenz zu einer neuen Volkskrankheit. "Nur zehn Prozent sind angeboren." Der Lebenswandel in den westlichen Industrienationen spiele hier eine große Rolle. Er zog den Vergleich zum Altersdiabetes. "Diese Krankheit ist auch lange Zeit nicht ernst genommen worden." Bei Lympherkrankungen sei ein ähnlicher Prozess zu sehen. "Wir haben es hier mit einer Krankheit zu tun, die auf den Markt drängt und auf die wir noch nicht richtig vorbereitet sind."

"Wir bieten eine ganzheitliche Behandlung an», sagte Lulay über seine Akutklinik in Ochtrup mit 20 Betten. Dazu gehören neben Entstauungen auch Diät- oder psychologische Beratung. "Die Patienten fühlen sich oft verlassen und stehen gesellschaftlich am Rand." Deshalb sei auch psychologische Hilfe für viele Patienten notwendig.

Quellen:

Ochtrup (dpa)

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