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Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Insulin

Stand: 28. April 2009Autor: Onmeda-Redaktion

Insulin kann nicht als Tablette eingenommen werden, weil das Protein von der Magensäure zerstört wird. Die Substanz muss deshalb injiziert oder inhaliert werden. Zu Beginn der Insulintherapie waren nur kurzwirksame Insuline (Altinsulin) verfügbar. 1930 wurde die Insulintherapie durch die Einführung von so genannten Verzögerungsinsulinen grundlegend verändert. Solche Insuline werden nach der Injektion langsam aus der subkutanen (unter der Haut) Injektionsstelle in den Körper abgegeben, sodass sie über einen längeren Zeitraum wirksam sind. Waren vorher drei bis vier Injektionen am Tag nötig, reichten jetzt ein bis zwei tägliche Insulindosen aus. Verzögerungsinsuline haben die Lebensqualität der Diabetiker entscheidend verbessert. Durch die Kombination von "schnellem" und "langsamen" Insulin kann der Blutzuckerspiegel heute gut kontrolliert werden.

Konventionelle Insulintherapie

Bei der konventionellen Insulintherapie werden kurzwirksames Normalinsulin und langwirksames Verzögerungsinsulin in einem festen Mischverhältnis ein- bis zweimal täglich eingesetzt. Der Vorteil dieser Methode ist die einfache Handhabung, der Nachteil ist die starre Wirkung, die den Diabetiker zwingt, sich in seinem Tagesablauf, in Menge und Zeitpunkt seiner Mahlzeiten an einen festen Ablauf zu halten. Die Blutzuckereinstellung mit konventioneller Insulintherapie ist erfahrungsgemäß nicht sehr gut.

Intensivierte/Supplementäre Insulintherapie

Die Weiterentwicklung von Insulinpräparaten und Insulin-Applikationsformen in den letzten Jahren ermöglichte die Einführung der so genannten intensivierten Insulintherapie, bei welcher der Diabetiker die Insulindosis ständig dem aktuellen Blutzuckerwert anpasst.

Die Therapie erfolgt nach dem Basis-Bolus-Prinzip und ahmt die natürliche Insulinsekretion des Organismus nach, der eine kontinuierliche Insulinabgabe (basale Sekretion) zu Grunde liegt, die zu Mahlzeiten gesteigert und bei körperlicher Betätigung vermindert wird. Ein zwei- bis dreimal täglich gespritztes Verzögerungsinsulin bildet die Basis. Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird mit der zusätzlichen Injektion von schnell wirksamem Normalinsulin als Bolus abgedeckt. Die erforderliche Dosis wird nach der Blutzuckerbestimmung berechnet. Erhöhte Blutzuckerwerte vor dem Essen können durch die zusätzliche Gabe von Normalinsulin nach einem Korrekturplan gesenkt werden.

Diese Basis-Bolus-Therapie bietet dem Diabetiker die Möglichkeit, seine Mahlzeiten frei zu gestalten, da die Insulinmenge an die verzehrten Kohlenhydrate angepasst wird und nicht umgekehrt. Voraussetzung für diese Therapie ist die regelmäßige Bestimmung des Blutzuckerspiegels und eine gute Schulung des Betroffenen.

Die intensivierte Insulintherapie ist derzeit Standard bei Typ-1-Diabetes. Hier erreicht sie eindeutig bessere Behandlungsergebnisse und eine verbesserte Lebensqualität als die konventionelle Insulintherapie. Bei der Therapie des Typ-2-Diabetes kann das Basis-Bolus-Prinzip ebenfalls zum Tragen kommen, als so genannte supplementäre Insulintherapie. Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird hierbei durch ein schnell und kurz wirksames Normalinsulin oder Insulinanalogon gedeckt. Nur bei Bedarf wird ein lang wirksames Insulinpräparat nachts beziehungsweise zum Abendessen eingesetzt. Ob kurzwirksame Insulinanaloga für Menschen mit Typ-2-Diabetes gesundheitliche Vorteile gegenüber Humaninsulin haben, und wie sicher Insulinanaloga langfristig sind, darüber gibt es zurzeit allerdings keine ausreichenden wissenschaftlichen Langzeitstudien. Deshalb gilt Normal- beziehungsweise Humaninsulin derzeit als das Standardinsulin.

Insulin-Injektionen

Die subkutanen Insulininjektionen können mithilfe von Insulinpens erfolgen. Dabei handelt es sich um füllhalterähnliche Injektionsgeräte, die das Insulin in vorgefertigten Patronen enthalten und aus denen die gewünschte Insulindosis per Knopfdruck gespritzt werden kann.

Eine kontinuierliche Insulinzufuhr ist dagegen durch die Benutzung so genannter Insulinpumpen möglich. Diese mit Insulin gefüllten Dosiergeräte von der Größe einer Zigarettenschachtel werden ständig am Körper getragen und geben über eine unter der Haut liegende Kanüle regelmäßig eine bestimmte vorprogrammierte Insulinmenge ab. Darüber hinaus erlauben sie es, vor den Mahlzeiten eine Extradosis Insulin abzurufen. Allerdings haben die Insulinpumpen noch keinen Sensor, der ihnen erlauben würde, den Blutzuckerspiegel selbstständig zu regulieren und dem Diabetiker auf diese Weise nahezu völlige Unabhängigkeit von seiner Erkrankung zu verschaffen. Bislang muss die abzugebende Insulinmenge also noch nach der Menge der gegessenen Kohlehydrate errechnet werden.

Anfang 2006 wurde ein Insulin zum Einatmen in Deutschland für bestimmte Diabetiker zugelassen. Dieses wurde jedoch 2007 wieder vom Markt genommen. Inhalierbares Insulin wird ins Bronchialsystem eingeatmet und gelangt von dort über die Schleimhaut sehr schnell ins Blut. Elektronische inhalative Insulinsysteme gewährleisten dabei über eine optische Anzeige zur Atemkontrolle die präzise Dosierung. Inhalationszeiten und Atemmuster werden in einem Mikrochip gespeichert und erlauben Arzt und Patient eine Therapiekontrolle. Die derzeit vorhandenen Daten reichen allerdings nicht aus, um den langfristigen Nutzen und Schaden des inhalativen Insulins verlässlich einzuschätzen.

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