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Schleimlösende Mittel

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 28. September 2007)

auch bezeichnet als:
Expektorantien; Mukolytika; Sekretolytika

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "schleimlösende Mittel" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Der Schleim im Bronchialsystem dient der Reinigung und Krankheitsverhütung in den Atemwegen. Staub- und Rauchpartikel sowie Krankheitserreger bleiben an der klebrigen Schleimschicht haften und können nicht weiter in die Lunge gelangen. Der Schleim liegt auf einem Rasen feinster Flimmerhärchen, die die Bronchien auskleiden. Durch ständiges Schlagen in Richtung des Kehlkopfs befördern die Härchen den verunreinigten Schleim aktiv wie auf einem Förderband nach oben. Am Kehlkopf angelangt, reizt der Schleim zum Husten, was den Auswurf und damit die Beseitigung des Schleims mit seinen Anhaftungen bewirkt. Vielfach ist der Bronchialschleim jedoch verfestigt und kann nicht auf den Flimmerhärchen gleiten. Dann werden schleimlösende Mittel eingesetzt, die das zähe Sekret verflüssigen sollen.

Schleimlösende Mittel heißen auch Expektorantien. Sie kommen bei akuten und chronischen Erkrankungen der oberen Luftwege zum Einsatz, die mit Störungen der Schleimbildung oder des Abtransports von Schleim verbunden sind. Zu den wichtigsten Anwendungsgebieten zählen neben festsitzendem Husten bei Erkältungskrankheiten vor allem die akute und chronische Bronchitis, COPD und das Asthma bronchiale. Darüber hinaus werden manche Wirkstoffe der Wirkstoffgruppe schleimlösender Mittel auch bei Mukoviszidose eingesetzt, einer Erbkrankheit, die mit der Bildung eines sehr zähen Schleims einhergeht.

So wirken schleimlösende Mittel

Zur Erleichterung des Abhustens werden sehr unterschiedliche Wirkstoffe eingesetzt, die man größtenteils in Sekretolytika und Mucolytika einteilen kann:

  • Sekretolytika fördern die Bildung von Bronchialschleim.

    Die Wirkung der Sekretolytika zielt indirekt über den Magen auf das vegetative Nervensystem. Da es von uns nicht willentlich beeinflusst werden kann, wird es auch unwillkürliches oder autonomes Nervensystem genannt. Das vegetative Nervensystem durchzieht mit seinen Fasern den gesamten Körper, alle Organe und wird von untergeordneten und daher unbewussten Hirnregionen gesteuert. Es hat die Aufgabe, unsere Körper- und Organfunktionen zu koordinieren und zu regulieren. Es wird von zwei Nervensträngen, dem Sympathikus und dem Parasympathikus, beherrscht, die Gegenspieler sind. Im Wachen, bei Aktivität und in Stress-Situationen ist der Sympathikus aktiviert. Stellt sich der Mensch auf Ruhe ein, übernimmt der Parasympathikus die Steuerung. Er sorgt dafür, dass die Muskeln des Verdauungstraktes und der Harnwege zu arbeiten beginnen und alle Drüsen ihre Sekrete produzieren. Auch die Bildung des Bronchialschleims wird vom Parasympathikus gesteuert. Wird der Parasympathikus zum Beispiel aktiviert, indem seine Nervenfasern im Magen mit den Sekretolytika in Kontakt kommen, hat das eine erhöhte Produktion an Bronchialsekret zur Folge.

    Zu den Sekretolytika gehören unter anderem Salze wie Ammoniumchlorid, die Pflanzenstoffe Guaifenesin, Saponine und Emetin. Emetin ist ein Wirkstoff aus der Ipecacuanha-Wurzel. Saponine sind Zuckermoleküle (Glykoside), die in vielen Pflanzen vorkommen, zum Beispiel in Primelwurzeln oder Süßholz.

    Einige sehr unterschiedliche ätherische Öle wie Anisöl, Eucalyptusöl (Cineol), Thymian und Minzöl führen ebenfalls dazu, dass mehr Schleim produziert wird. Die Wirkstoffe zeigen gemischte und zum Teil noch nicht aufgeklärte Wirkmechanismen. Neben der Förderung der Schleimproduktion entspannen die ätherischen Öle verkrampfte Bronchialmuskelzellen und erleichtern so die Atmung. Bei Säuglingen und kleinen Kindern kann die Wirkung allerdings gegensätzlich sein. Weil sie Krämpfe mit Atemnot hervorrufen können, sollten ätherische Öle bei dieser Patientengruppe nicht ohne Befragen des Arztes benutzt werden.

  • Anders als die Sekretolytika wirken die Mukolytika hauptsächlich nicht auf die Sekretproduktion selbst ein, sondern verändern die Eigenschaften des Schleims. Sie sorgen dafür, dass er verdünnt oder zumindest weniger zähflüssig wird.

    Zu den Mukolytika gehören sehr unterschiedliche Stoffe:

    1. Acetylcystein (N-Acetylcystein=NAC) spaltet bestimmte chemische Verbindungen in den langkettigen Schleimmolekülen. Die sehr langen Molekülketten zerfallen in kürzere Bruchstücke, wodurch die Zähigkeit des Schleims erniedrigt und das Abhusten erleichtert wird. NAC ist ein Mittel, das besonders bei Mukoviszidose erfolgreich eingesetzt wird. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Antibiotika ist darauf zu achten, dass zwischen der Einnahme von NAC und dem Antibiotikum ein Abstand von etwa zwei Stunden eingehalten wird. Acetylcystein kann das Antibiotikum sonst unwirksam machen.
    2. Mesna (Na-2-mercapto-ethan-sulfonat) besitzt den gleichen Wirkmechanismus wie Acetylcystein. Es wird gespritzt oder in Form eines Aerosols inhaliert.
    3. Bromhexin wirkt auf zwei verschiedenen Wegen schleimlösend. Es trägt zur Vermehrung spezieller Enzyme bei, die für den Abbau des Schleims verantwortlich sind. Gleichzeitig aber regt es auch die Drüsenzellen zur Schleimproduktion an, wodurch mehr Sekret von geringerer Zähigkeit gebildet wird.
    4. Ambroxol ist ein Stoffwechselprodukt von Bromhexin. Es besitzt zusätzlich zu dessen zwei Wirkungsmechanismen noch einen dritten. Die Aktivierung eines seifenähnlichen Körperstoffs ("oberflächenaktives Surfactant") löst den Zusammenhalt des Schleims. Er verliert dadurch an Zähigkeit und kann leichter abgehustet werden.
    5. Efeu ist als pflanzlicher Schleimlöser dem Ambroxol gleichwertig.


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