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Nicht-steroidale Antirheumatika

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 13. September 2011)

auch bezeichnet als:
Antirheumatika, nicht-steroidale; Antiphlogistika, nichtsteroidale; nichtsteroidale Antiphlogistika; NSA; NSAID; NSAR

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "nicht-steroidale Antirheumatika" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Nicht-steroidale Antirheumatika werden, wie der Name besagt, bei Rheuma und entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Nicht-steroidale Antirheumatika sind aber auch gegen Beschwerden wie Schmerzen, Fieber und Entzündungen wirksam. Der Namensteil "nicht-steroidal" besagt, dass diese Gruppe von Wirkstoffen keine Steroide sind, also nicht das typische chemische Grundgerüst der Kortison-Verbindungen und Sexualhormone haben. Dadurch ergibt sich eine Abgrenzung zu den Glukokortikoiden, einer weiteren wichtigen Gruppe entzündungshemmender Wirkstoffe, die ebenfalls bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gehören beispielsweise rheumatoide Arthritis (auch chronische Polyarthritis genannt) und entzündliche Wirbelerkrankungen wie Morbus Bechterew. Auch bei Gicht werden nicht-steroidale Antirheumatika gegen Schmerzen und Entzündungsbeschwerden eingesetzt, begleitend zu den Gichtmitteln, die die Ursache dieser Stoffwechselerkrankung behandeln.

Bei Weichteilrheumatismus, einer Erkrankung mit Schmerzen in den Muskeln, Bändern und Sehnen des Bewegungsapparats, werden nicht-steroidale Antirheumatika ebenfalls verwendet. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Reizzustände bei Arthrose, einer Erkrankung, die bei dauerhafter Überbelastung der Gelenke entsteht.

Meist werden nicht-steroidale Antirheumatika zum Einnehmen verabreicht, einige sind auch in Gelen oder Salben zur äußerlichen Behandlung stumpfer Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen erhältlich. Bei schwereren Schmerzzuständen können nicht-steroidale Antirheumatika auch in die Blutbahn gespritzt werden.

So wirken nicht-steroidale Antirheumatika

Die nicht-steroidalen Antirheumatika hemmen im menschlichen Körper zwei unterschiedliche Enzyme, die Cyclooxygenase-1 (COX-1) und die Cyclooxygenase-2 (COX-2). Diese Enzyme produzieren für den menschlichen Körper wichtige Gewebshormone, die Prostaglandine.

Die Prostaglandine der COX-1 und COX-2 wirken unterschiedlich:
  • Die Prostaglandine der COX-1 sind für wichtige Funktionen wie die Verklumpung der Blutplättchen (Thrombozyten) bei der Blutgerinnung, die Wasserausscheidung durch die Niere oder den Schutz der Schleimhaut im Magen und Darm zuständig.
  • Die Prostaglandine der COX-2 werden besonders dann aktiv, wenn in unserem Körper Gewebe zerstört wird. Sie verursachen Schmerzen, Fieber und Entzündungen.
Nicht-steroidale Antirheumatika hemmen größtenteils beide Enzyme, sowohl die COX-1 als auch die COX-2. So kommt es zu den schmerzstillenden, fiebersenkenden und entzündungshemmenden Wirkungen. Aber auch die Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden (bis hin zu Geschwüren und Blutungen) oder Wassereinlagerung aufgrund verringerter Nierendurchblutung sind auf dieselbe Wirkungsweise zurückzuführen.

Nach ihrer chemischen Struktur werden nicht-steroidale Antirheumatika häufig noch in verschiedene Untergruppen eingeteilt:
  • Salicylate
    Sie leiten sich von der ursprünglich aus Weidenrinde gewonnenen Salicylsäure ab. Salicylsäure und einige ihrer chemischen Abwandlungen wie zum Beispiel Hydroxyethylsalicylat und Methylsalicylat sind sehr schlecht verträglich und werden daher ausschließlich äußerlich zu Einreibungen verwendet. Bekanntester auch innerlich anwendbarer Abkömmling der Salicylsäure ist die Acetylsalicylsäure. Sie wirkt nicht nur entzündungshemmend, sondern auch fiebersenkend und gut schmerzlindernd. Acetylsalicylsäure wird daher auch zur Gruppe der nicht-opioiden Schmerzmittel gerechnet. Bei Acetylsalicylsäure besteht eine besonders hohe Gefahr der Magenblutungen, da dieser Wirkstoff auch auf die Blutgerinnung wirkt.
  • Propionsäureverbindungen
    Hierzu gehören Ibuprofen, Ketoprofen und Naproxen. Diese Wirkstoffe sind ebenfalls schmerzlindernd und entzündungshemmend. Ibuprofen wird auch als nicht-opioides Schmerzmittel eingesetzt, die anderen Wirkstoffe nur bei Entzündungen.
  • Essigsäureverbindungen
    Aceclofenac, Bromfenac, Diclofenac, Acemetacin und Indometacin zeigen eine stark entzündungshemmende Wirkung. Als reines Schmerzmittel werden sie meist nicht eingesetzt.
  • Oxicame
    Piroxicam und Meloxicam haben eine andere chemische Struktur, ähneln ansonsten aber in Wirkstärke und Einsatzgebieten den Essigsäureverbindungen.
  • Selektive Cyclooxygenase-2-Hemmer oder Coxibe
    Zu dieser Untergruppe zählen Celecoxib, Valdecoxib, Etoricoxib und Parecoxib. Alle sind relativ neue Wirkstoffe, die sich von ihrer Wirkung deutlich von allen vorherigen unterscheiden. Die Coxibe hemmen nämlich nur die COX-2 und zeigen daher weniger Nebenwirkungen auf die Blutgerinnung, die Wasserausscheidung und die Magenschleimhaut (für diese Nebenwirkungen ist COX-1 verantwortlich). Allerdings sind bei den Coxiben andere Nebenwirkungen aufgetreten. Besonders stehen sie im Verdacht, das Risiko für das Entstehen von Herzinfarkten vor allem bei Erstanwendern dieser Wirkstoffe zu erhöhen.
Nach neueren Erkenntnissen haben Patienten mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen schon von vorneherein ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb kommt eventuellen Nebenwirkungen der nicht-steroidalen Antirheumatika auf Herz und Blutgefäße eine besondere Bedeutung zu. Die Gefährdung durch Coxibe, aber auch durch die älteren Mitglieder der Wirkstoffgruppe soll aktuell durch weitere klinische Untersuchungen besser abschätzbar werden.

Bei der Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika kann es zu Asthmaanfällen kommen. Ursache: Die Prostaglandine haben eine bronchienerweiternde Wirkung. Wird die Prostaglandinproduktion gehemmt, kommt es zur Bronchienverengung. Aus diesem Grund sollten Patienten, die an chronischen Atemwegserkrankungen wie chronischer Bronchitis, COPD und Asthma oder an Allergien leiden, nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt von nicht-steroidalen Antirheumatika Gebrauch machen.


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