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Nicht-opioide Schmerzmittel

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 14. März 2010)

auch bezeichnet als:
Analgetika, nicht narkotisierende ; Analgetika, nicht-opioide; nicht narkotisierende Schmerzmittel; nicht-opioide Analgetika ; Schmerzmittel, nicht narkotisierende ; Schmerzmittel, nicht-opioide

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "nicht-opioide Schmerzmittel" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Mit nicht-opioiden Schmerzmitteln lassen sich leichte bis mäßig starke Schmerzen bei vielen unterschiedlichen Erkrankungen behandeln. So lindern sie Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen und in höheren Dosierungen Schmerzen bei rheumatischen Erkrankungen (rheumatoide Arthritis) oder in Ausnahmen sogar leichte Tumorschmerzen. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die Behandlung der Migräne und der mit ihr einhergehenden typischen Kopfschmerzen.

Viele nicht-opioide Schmerzmittel sind auch gegen Fieber wirksam. Daher werden sie bei der echten Grippe (Influenza) oder im Rahmen von Erkältungskrankheiten bei einem Grippe-ähnlichen (grippalen) Infekt zur Fiebersenkung genutzt.

Eine weitere Wirkung mancher Substanzen aus dieser Gruppe ist die Entzündungshemmung, wodurch sich Überschneidungen mit der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika ergeben. Andere nicht-opioide Schmerzmittel hemmen die Blutplättchenzusammenballung. Letztere werden deshalb auch zu den so genannten Thrombozytenaggregationshemmern gezählt.

So wirken nicht-opioide Schmerzmittel

Opioide Schmerzmittel wie das Morphin verändern über ganz bestimmte Bindungsstellen im Gehirn und im Rückenmark unser Schmerzempfinden. Dagegen stehen bei den nicht-opioiden Schmerzmitteln verschiedene andere Mechanismen, zumeist außerhalb des zentralen Nervensystems, im Vordergrund. Vor allem hemmen sie die Bildung von entzündungsfördernden Gewebshormonen wie den Prostaglandinen und mindern die Empfindlichkeit der Schmerz-Rezeptoren im Gewebe. Nur teilweise oder bei einzelnen Substanzen erfolgt die Schmerzhemmung über die Nervenbahnen von Rückenmark und Gehirn.

Der gemeinsame Vorteil aller nicht-opioiden Schmerzmittel ist, dass keine der für die Opioide typischen Nebenwirkungen auftreten wie die Beeinträchtigung der Atmung und die Gewöhnung unter Abnahme der Wirksamkeit (Toleranzentwicklung), die die Gefahr einer Sucht in sich birgt.

Anhand ihrer chemischen Eigenschaften und ihrer Wirkmechanismen lassen sich innerhalb der nicht-opioiden Schmerzmittel drei Untergruppen unterscheiden:
  • Zur Untergruppe der sauren fiebersenkenden Schmerzmittel zählen neben vielen anderen die Acetylsalicylsäure und das Ibuprofen. Die Substanzen dieser Untergruppe wirken fiebersenkend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Diese Effekte beruhen auf der Hemmung der körpereigenen Produktion von Prostaglandinen. Die hormonähnlichen Prostaglandine sind wesentlich an Entzündungsvorgängen und der Entstehung von Schmerzreizen beteiligt. Durch ihre säureähnlichen Eigenschaften können sich die sauren, fiebersenkenden Schmerzmittel besonders gut im entzündeten Gewebe anreichern, was einen wesentlichen Unterschied zu den Wirkstoffen der anderen Untergruppen darstellt. So hemmen sie die Prostaglandinproduktion und damit die Entzündung direkt vor Ort. Die sauren Arzneistoffe werden manchmal mit der Wirkstoffgruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika gleichgesetzt; in der Tat sind die Grenzen und Übergänge zwischen den beiden Gruppen fließend.
  • Eine zweite Untergruppe bilden die nicht-sauren fiebersenkenden Schmerzmittel, zu denen Paracetamol, Metamizol, Phenazon und Propyphenazon gehören. Auch ihre Wirkung ist vor allem gegen die körpereigene Prostaglandinproduktion gerichtet. Weil sie chemisch keine Säuren sind, vermögen sich die genannten Substanzen allerdings kaum im entzündeten Gewebe anzureichern und haben daher keine entzündungshemmende Wirkung. Die Wirkstoffe sind aber sehr gut gegen Fieber und Schmerzen einsetzbar. Hauptsächlich im übrigen Körper wirksam, dringen sie nämlich teilweise auch in das Rückenmark und ins Gehirn ein und wirken dort dämpfend auf die Schmerzwahrnehmung.
  • Die dritte Untergruppe der nicht-opioiden Schmerzmittel hat keinen Einfluss auf die Prostaglandinproduktion. Diese Mittel sind schmerzlindernd, jedoch nicht sauer und haben keine fiebersenkenden oder entzündungshemmenden Eigenschaften. Ihre Stoffe beeinflussen auf heute noch unbekanntem Weg die schmerzleitenden Nervenbahnen im Gehirn und im Rückenmark. Sie wirken also im zentralen Nervensystem, aber an anderen Stellen als die opioiden Schmerzmittel. Neben der Schmerzlinderung wirken sie zusätzlich muskelentspannend. Zu diesen nicht-sauren Wirkstoffen zählen Nefopam und Flupirtin. Einen Sonderfall stellt das Ziconotid vor, da es zwar stark schmerzhemmend, aber nicht muskelentspannend wirkt.
Als Nebenwirkungen kommen bei den meisten sauren Wirkstoffen und etwas eingeschränkt auch bei den nicht-sauren Schmerzmitteln Magenschmerzen sowie gelegentlich Übelkeit und Erbrechen und Durchfall vor.

Schwangere und Asthmatiker sollten nicht-opioide Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen. Auch bei Kindern sollte die Schmerzmitteleinnahme mit dem Kinderarzt abgestimmt werden, da beispielsweise Acetylsalicylsäure bei Kindern und Jugendlichen das gefährliche Reye-Syndrom auslösen kann. Paracetamol dagegen besitzt zwar keine entzündungshemmende Wirkung, ist jedoch für die Behandlung von Schmerzen und Fieber bei Kindern gut geeignet.

Nicht-opioide Schmerzmittel werden häufig mit opioiden Schmerzmitteln kombiniert. Dies ist sinnvoll, da sich hier die Wirkungen an verschiedenen Stellen der Schmerzentstehung und -wahrnehmung addieren.

Teilweise werden die nicht-opioiden Schmerzmittel mit Coffein kombiniert. So in den Zusammenstellungen Acetylsalicylsäure + Coffein und Paracetamol + Coffein. Allerdings ist der Coffein-Zusatz in Schmerzmitteln umstritten. Einerseits wird dadurch nachgewiesenermaßen die schmerzstillende Wirkung verstärkt. Andererseits scheint die aufputschende Wirkung des Coffeins eine vermehrte missbräuchliche Anwendung solcher Schmerzmittel zu bewirken.



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