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Kaliumsparende Entwässerungsmittel

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 20. Februar 2015)

auch bezeichnet als:
Antikaliuretika; Diuretika, kaliumretinierende; Diuretika, kaliumsparende; Entwässerungsmittel, kaliumsparende ; kaliumretinierende Diuretika; kaliumsparende Diuretika

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "kaliumsparende Entwässerungsmittel" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Zur Gruppe der kaliumsparenden Entwässerungsmittel gehören
Spironolacton, Kaliumcanrenoat, Triamteren und Amilorid.

Kaliumsparende Entwässerungsmittel haben zwei Einsatzgebiete, die Behandlung von Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) und die Behandlung von Bluthochdruck:
  • Häufige Ursache der Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) sind Funktionsstörungen des Herzens, der Niere oder der Leber.
    1. Bei Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) reicht die Herzleistung nicht aus, die Niere richtig mit Blut zu versorgen. Die Niere versucht daher, ihre Blutzufuhr durch Erhöhung des Blutdrucks zu steigern. Das erreicht sie auf zwei Wegen: Durch Ausschüttung des Stoffes Angiotensin II, der die Gefäße zusammenzieht, und durch Produktion des Hormons Aldosteron, das die Ausscheidung von Kochsalz und Wasser bremst. Beides zusammen sorgt für einen höheren Druck im Gefäßsystem, der das Herz zusätzlich belastet. Andererseits führt der Druck auch zum Übertritt von Flüssigkeit in das Gewebe und dort zur Wassereinlagerung.

    2. Zu nierenbedingten Ödemen kommt es beispielsweise bei Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis). Diese Krankheit führt zu vermehrter Zurückhaltung von Kochsalz und des daran gebundenen Wassers im Körper. Auch ein so genanntes nephrotisches Syndrom kann nierenbedingte Ödeme verursachen. Es kommt dabei zu einer gesteigerten Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin und einem entsprechenden Eiweißmangel des Bluts. Das Blut wird "wässriger", es entlässt mehr Flüssigkeit durch die Gefäßwände in das Gewebe.

    3. Ist die Leber geschädigt, wird weniger Eiweiß produziert und ins Blut ausgeschieden. Auch hier entlässt das "wässrige" Blut Flüssigkeit durch die Gefäßwände, wodurch sich im Gewebe Wasseransammlungen bilden.

    Von den vier kaliumsparenden Entwässerungsmitteln haben nur Spironolacton und Kaliumcanrenoat einen für die Einzeltherapie von Wasseransammlungen ausreichend entwässernden Effekt. Triamteren und Amilorid wirken wesentlich schwächer. Für die Behandlung von Ödemen muss man Triamteren und Amilorid daher zum Beispiel mit Thiaziden und thiazidartigen Entwässerungsmitteln oder Schleifendiuretika kombinieren.

  • Der unterstützenden Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) mit kaliumsparenden Entwässerungsmitteln liegt folgender einfacher Effekt zugrunde. Durch die vermehrte Wasserausscheidung verringert sich die Menge des kreisenden Blutes und der Druck in den Gefäßen sinkt. Zur Blutdrucksenkung werden die kaliumsparenden Entwässerungsmittel aber nicht alleine eingesetzt sondern in vielfältigen Kombinationen mit anderen Blutdrucksenkern wie ACE-Hemmern, Betablockern und Calciumkanalblockern.

So wirken kaliumsparende Entwässerungsmittel

Ein kaliumsparendes Entwässerungsmittel ist ein Wirkstoff, der die Harnproduktion anregt, ohne dabei einen Kaliumverlust herbeizuführen. Die verwendeten Substanzen erhöhen die Ausscheidung von Kochsalz (Natriumchlorid, NaCl) und Wasser, während sie die Ausscheidung von Kalium verringern oder sie zumindest unverändert lassen.

Nach ihrer chemischen Struktur unterscheidet man bei den kaliumsparenden Entwässerungsmitteln zwei Untergruppen:
  • Zur ersten Untergruppe gehören die Wirkstoffe Eplerenon, Spironolacton und Kaliumcanrenoat. Sie sind Gegenspieler (Antagonisten) des Nebennierenhormons Aldosteron. Aldosteron bindet sich in der Niere an einen speziellen Aldosteron-Rezeptor. Diese Bindung bewirkt die Zurückhaltung von Natriumchlorid und dem daran gebundenen Wasser sowie die Ausscheidung von Kalium. Spironolacton und Kaliumcanrenoat haben eine ähnliche Gestalt wie das Aldosteron, jedoch eine entgegengesetzte Wirkung. So besetzen sie den gleichen Rezeptor an der Niere wie das Aldosteron. Durch ihre Bindung aber fördern Spironolacton und Kaliumcanrenoat die vermehrte Ausscheidung von Natriumchlorid und Wasser und bremsen die Ausscheidung von Kalium (kaliumsparender Effekt).

    Kaliumcanrenoat wurde aus einem ebenfalls wirksamen Stoffwechselprodukt des Spironolacton entwickelt. Da es besser wasserlöslich ist als Spironolacton, eignet es sich nicht nur für die Einnahme über den Mund, sondern auch für die Anwendung als Spritze oder Infusion. In dieser Form wird es in der Klinik bei lebensbedrohlichen Ödemen eingesetzt.

  • Zur zweiten Untergruppe gehören Amilorid und Triamteren. Sie nehmen direkten Einfluss auf die Nierenfunktion. Die Niere besteht aus einem Gewebe unzähliger winziger Röhrchen. An einem Ende besitzen diese Röhrchen jeweils ein Bläschen, das von Blutgefäßen umfangen ist. Hier findet die Filtration des Bluts statt. Schadstoffe, aber auch Mineralien und Wasser werden in das Bläschen ausgeschieden. Diese Lösung läuft die Röhrchen entlang in das Nierenbecken und dann in den Harnleiter.

    An verschiedenen Stellen der Röhrchen sorgen Transporteiweiße für die teilweise Wiederaufnahme der Mineralien und des Wassers ins Blut. So kann der Wassergehalt des Körpers je nach Bedarf geregelt werden. Diese Regulation des Wassergehalts verläuft über die so genannten Natriumkanälchen in der Niere. Amilorid und Triamteren blockieren diese Natriumkanälchen. Die Blockade verhindert den Rücktransport und die Wiederaufnahme von Natrium und Chlorid und dem an sie gebundenen Wasser aus dem Harn, aber nicht von Kalium. Auch Triamteren und Amilorid sind daher kaliumsparend, weil sie die Ausscheidung von Kalium nicht fördern.

    Triamteren verweilt kürzer im Körper als Amilorid und hat daher auch eine kürzere Wirkdauer: vier bis sechs Stunden gegenüber 18 bis 20 Stunden.

    Im Vergleich zu Spironolacton und Kaliumcanrenoat sind Triamteren und Amilorid schwächer wirksam. Daher werden sie auch meist in Kombination mit anderen Entwässerungsmitteln eingesetzt.

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