Venenmittel

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 19. Dezember 2007)

auch bezeichnet als:
Venentherapeutika

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Venenmittel" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Venenmittel werden bei Venenerkrankungen eingesetzt. Die Venen sind diejenigen Gefäße, in denen das Blut zum Herzen zurückfließt. Einziger Antrieb dieser Strömung ist der Herzschlag. Damit das Blut nicht zwischen den Herzschlägen im Gewebe "versackt", sind die Venen mit sehr elastischen Wänden und ventilartigen Klappen ausgestattet. Erst durch den Blutschwall erweitert, ziehen sich die Venen zusammen und drücken so das Blut durch die Klappe in den nächsten Gefäßabschnitt. Da sich die Klappen immer nur in Richtung auf das Herz öffnen, verhindern sie durch Schließen den Rückfluss. Die größte Belastung müssen dabei die Klappen der Beinvenen aushalten, die im Blutkreislauf den physikalischen Tiefpunkt darstellen. Von Defekten der Venenklappen sind daher besonders die Gefäße der Beine betroffen.

Sind die Venenklappen beschädigt, wird das Blut nicht fortwährend abtransportiert - es kommt zum Stau. Er erweitert die Venen dauerhaft zu Krampfadern, es drohen Venenentzündungen (Thrombophlebitis), die Bildung von Blutgerinnseln und durch sie Gefäßverstopfungen (Thrombosen). Kleinste Blutgerinnsel in Hautgefäßen oder der Austritt von Blut in die oberflächlichen Hautschichten erscheinen als Bluterguss (Hämatom). Da die Gefäßwände durch die ständige Überlastung undicht werden, kann Blutflüssigkeit austreten, was zu Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) führt.

Aber Venenmittel kommen nicht nur bei den hier beschriebenen Venenerkrankungen zum Einsatz. Da manche Venenmittel die Fließeigenschaften des Bluts beeinflussen, können sie auch bei Prellungen, Stauchungen und Sportverletzungen gegen Schwellungen und Blutergüsse eingesetzt werden.

So wirken Venenmittel

Prinzipiell wirken Venenmittel auf zwei Arten, indem sie entweder die Gefäßwände oder die Fließeigenschaften des Blutes beeinflussen:
  • Etliche Wirkstoffe verhindern oder verringern den Durchtritt von Flüssigkeit durch geschädigte Venenwände, indem sie die Venengefäße verstärken. Diese Verstärkung erfolgt beispielsweise dadurch, dass die erweiterten Zwischenräume zwischen Gefäßwandzellen wieder verringert und Lücken in den Gefäßwänden durch die Anheftung von Zellen abgedichtet werden. Zusätzlich wird durch diese Venenmittel der venöse Rückstrom des Bluts zum Herzen verbessert. Beides reduziert den Austritt von Flüssigkeit in das umliegende Gewebe. Der Wasserdruck in der Haut wird reduziert, so dass Gewebeschäden vermieden werden oder bestehende Gewebeschäden abheilen können. Das Gewebe selbst schwillt ab, was sich besonders in den Beinen durch die Abnahme von Schmerzen und Schweregefühl bemerkbar macht. Einige Wirkstoffe besitzen darüber hinaus entzündungshemmende Eigenschaften.
    Es gibt pflanzliche und chemische Wirkstoffe, die gefäßabdichtend wirken. Die bekanntesten pflanzlichen sind neben Auszügen aus Rosskastaniensamen und Hamamelis auch Auszüge aus rotem Weinlaub. Chemisch hergestellt werden unter anderem Arzneimittel, die nur die wirksamen Inhaltsstoffe solcher Pflanzenextrakte enthalten. Dazu gehören beispielsweise Aescin, einer der wirksamen Inhaltsstoffe in Rosskastaniensamen, oder Troxerutin aus Mäusedorn. Die gefäßabdichtenden Venenmittel können in Form von Cremes oder Salben zur örtlichen Behandlung verwendet oder in Form von Kapseln oder Tabletten eingenommen werden.
  • Andere Venenmittel verbessern die Fließfähigkeit des Bluts. Sie verhindern die Bildung von kleinen und großen Blutgerinnseln in den Venen oder lösen diese wieder auf. Die Wirkung dieser Venenmittel beruht wie bei den so genannten Antikoagulanzien auf der Hemmung der Blutgerinnung. Dazu gehören beispielsweise Heparin von Schweinen oder Rindern und die synthetisch hergestellten Heparinoide. Bei äußerlicher Anwendung können sie Schmerzen und Schwellungen bei Blutergüssen wirksam bekämpfen. Um einer Thrombose, beispielsweise nach einer Operation, vorzubeugen, werden Heparine unter die Haut gespritzt, bis die Gefahr einer Thrombosenbildung vorbei ist. In besonderen Fällen ist auch eine Anwendung von Heparinen als Infusion erforderlich, dies geschieht aber unter strenger ärztlicher Überwachung.
Neben den bisher beschriebenen klassischen Venenmitteln zählen im weitesten Sinne auch Mutterkornalkaloide zu den Venentherapeutika, da sie die Wandspannung und somit die Fähigkeit zur Zusammenziehung der Venen verbessern. Zur Behandlung von Ödemen kommen in bestimmten schwerwiegenden Fällen von Venenerkrankungen Entwässerungsmittel zum Einsatz.

Der Stellenwert von Venenmitteln in der Therapie von Krampfadern und ihren Folgezuständen ist umstritten. Bisher konnte in Studien nur eine Besserung der Beschwerden, aber nicht die Bekämpfung ihrer Ursachen nachgewiesen werden. Zur Therapie bei Krampfadern gehört daher immer eine so genannte Kompressionsbehandlung. Damit ist die Anwendung von eng sitzenden Strümpfen (Kompressionsstrümpfen) oder elastischen Wickeln gemeint, die den venösen Blutfluss aus den erweiterten oberflächlichen Gefäßen in die tiefen Gefäße umleitet. Der gleiche Effekt wird erzielt, wenn Krampfadern an der Oberfläche operativ entfernt werden.




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