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Neuroleptika

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 27. Januar 2014)

auch bezeichnet als:
Antipsychotika

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe
"Neuroleptika" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Neuroleptika sind Medikamente, die dämpfend und beruhigend auf Nerven und Seele wirken. Sie führen zu einer gewissen Gleichgültigkeit des Patienten gegenüber seiner Umwelt. Daher werden Neuroleptika bei Psychosen eingesetzt. Psychosen sind Gemüts- und Geisteskrankheiten oder krankhafte Erregungszustände, bei denen die Patienten den Bezug zur Realität verloren haben. Besonders Schizophrenien, Wahnvorstellungen (Halluzinationen) und ängstliche Erregtheit werden bevorzugt mit Neuroleptika behandelt. Die Gabe von Neuroleptika bildet dabei jedoch stets nur eine Säule der Behandlung. Weitere Therapieansätze bei Psychosen sind zum Beispiel Psychotherapie und Verhaltenstherapie.

Nach ihrer Wirkung auf Psychosen werden Neuroleptika in "stark wirksame" und "schwach wirksame" unterschieden.
  • Schwach wirksame Neuroleptika:
    Levomepromazin, Sulpirid, Promazin und Chlorprothixen gehören beispielsweise zu dieser Untergruppe. Die Substanzen wirken stark beruhigend, dämpfend und schlaffördernd. Schwächere Neuroleptika setzt man daher ein bei Erregungs-, Angst- und Spannungszuständen, bei Manien sowie bei Schlafstörungen. Gegen Psychosen sind sie nicht ausreichend wirksam.
  • Stark wirksame Neuroleptika:
    Zu dieser Untergruppe gehören zum Beispiel Haloperidol, Fluspirilen, Benperidol, Fluphenazin und andere. Die Wirkstoffe werden bei akuten Psychosen, Schizophrenie und Wahnvorstellungen, etwa während des Alkoholentzugs, eingesetzt. Diese Neuroleptika machen weniger müde, wirken leicht antriebshemmend, aber stark gegen Psychosen (antipsychotisch). Haloperidol, Fluphenazin und Fluspirilen sind Beispiele so genannter Langzeit- oder Depot-Neuroleptika. Sie haben eine Wirkdauer von bis zu vier Wochen und werden vom Arzt in die Muskeln gespritzt. So kann eine Behandlung genauer überwacht werden und eigenmächtiges Absetzen der Medikamente durch den Patienten vermieden werden.
Neben den geschilderten klassischen Einsatzgebieten werden Neuroleptika auch noch bei vier weiteren Gelegenheiten angewendet:
  • Einige Neuroleptika werden in niedriger Dosis (bei der noch keine antipsychotische Wirkung erreicht werden kann) gegen Angststörungen und Spannungszustände eingesetzt.
  • Neuroleptika können vor einer Narkose als so genannte Narkoseprämedikation angewendet werden. Dadurch wird der Patient beruhigt und Narkosemittel kann eingespart werden.
  • Neuroleptika können bei kleineren Operationen und Eingriffen Verwendung finden. Anstatt einer Vollnarkose werden dabei Neuroleptika mit opioiden Schmerzmitteln kombiniert. Man spricht in einem solchen Fall von Neuroleptanalgesie. Der Vorteil besteht in der besseren Verträglichkeit gegenüber einer Vollnarkose. Werden zusätzlich zu Neuroleptikum und Schmerzmittel noch Lachgas und/oder Muskelrelaxanzien eingesetzt, nennt man dies Neuroleptanästhesie. Bei diesen beiden Einsatzzwecken wird besonders der Wirkstoff Droperidol eingesetzt.
  • Aufgrund ihrer Brechreiz lindernden Wirkung können Neuroleptika wie zum Beispiel Triethylperazin und Trifluorpromazin gegen Übelkeit und Erbrechen Anwendung finden. Sie kommen zum Einsatz, wenn das Erbrechen unstillbar ist und Mangelerscheinungen hervorzurufen droht.

So wirken Neuroleptika

Neuroleptika wirken im Gehirn an den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen. Ist ein elektrischer Reiz den Nerv entlanggelaufen und kommt an einer solchen Kontaktstelle an, führt er zur Ausschüttung von Botenstoffen. Diese binden sich an einen für sie speziellen Rezeptor der Nachbar-Nervenzelle. Dadurch wird ein weiteres elektrisches Signal erzeugt und weitergeleitet.

Ein wichtiger Nerven-Botenstoff ist zum Beispiel das Dopamin. Dopamin hat im Hirnstoffwechsel eine zentrale Stellung, vor allem in Bezug auf Wachheit, Konzentration und Wahrnehmung sowie Bewegung. Je nachdem, an welche Dopamin-Bindungsstelle (D1, D2, D3 oder D4) sich der Botenstoff mehr oder weniger stark bindet, werden etwas unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Alle Neuroleptika blockieren Bindungsstellen für Dopamin und dämpfen dadurch die bei Psychosen überschießende Dopamin-vermittelte Nerventätigkeit. Nach der Ausprägung ihrer Wirkung und der Art der Bindungsstellen im Nervensystem unterscheidet man jedoch zwischen so genannten typischen (oder klassischen) Neuroleptika und den atypischen Neuroleptika.
  • Die typischen Neuroleptika greifen vor allem an den Bindungsstellen D1, D2, D3 und D4 für Dopamin an. Durch die dortige Hemmung der Dopaminwirkung werden die Erregungszustände im Zusammenhang mit einer Psychose verringert. Allerdings kommt es gleichzeitig zu relativ vielen Nebenwirkungen, die ebenfalls auf den entstehenden Dopaminmangel zurückzuführen sind.

    Besonders häufig sind Bewegungsstörungen, die vom Gehirn ausgehen. Diese Bewegungsstörungen nennt der Fachmann "extrapyramidal-motorische Symptome". Zu Beginn der Behandlung kommt es zu so genannten Frühdyskinesien. Als Dyskinesien werden spontan auftretende, unwillkürliche Bewegungen, zum Beispiel Zungen- und Blickkrämpfe bezeichnet. Innerhalb weniger Wochen können Symptome einer durch Neuroleptika ausgelösten Parkinson-Erkrankung auftreten. Bewegungsarmut (Akinese), erhöhte Muskelspannung (Rigor) und Zittern (Tremor) sind solche möglichen Symptome. So genannte Spätdyskinesien treten erst nach länger dauernder Neuroleptika-Einnahme auf. Sie äußern sich zum Beispiel als Schmatz- und Zungenbewegungen. Diese Symptome bleiben bei einigen Patienten auch nach Absetzen der Neuroleptika bestehen. Bei anderen Patienten kann es zu Bewegungsunruhe (Akathisie) kommen. Dies meint die Unfähigkeit, ruhig sitzen bleiben zu können.

    Je nach dem welche Dopaminrezeptoren ein typisches Neuroleptikum stärker blockiert, können sich die Auswirkungen stark unterscheiden. So vermag ein gezielt auf die Rezeptoren D2 und D3 wirksames Neuroleptikum wie Tiaprid Bewegungsstörungen sogar zu unterdrücken.

    Weitere unerwünschte Wirkungen der typischen Neuroleptika betreffen das vegetative Nervensystem. Zu nennen sind hier unter anderem starke Müdigkeit, Mundtrockenheit, Schwitzen und Verstopfung. Schwach antipsychotische Neuroleptika rufen meist weniger Bewegungsstörungen hervor als die stark auf Psychosen wirkenden Neuroleptika, verursachen aber dafür mehr Störungen des vegetativen Nervensystems.

    Beispiele für typische Neuroleptika sind Haloperidol, Promethazin, Promazin, Chlorprothixen, Perazin, Melperon, Thioridazin, Tiaprid, Fluspirilen.

  • Bei den atypischen Neuroleptika, die später entwickelt wurden als die typischen, liegt ein etwas anderes Wirkprinzip vor. Neben unterschiedlich ausgeprägter Blockade der Bindungsstellen D1 bis D4 für Dopamin zeigen diese Substanzen meist noch hemmende Wirkungen auf Serotonin-Rezeptoren und Bindungsstellen anderer Botenstoffe im Gehirn. Es kommt zu wesentlich weniger Nebenwirkungen als bei den typischen Neuroleptika. Besonders Bewegungsstörungen, aber auch Müdigkeit treten deutlich seltener auf. Außerdem wirken atypische Neuroleptika besser als die typischen auf die Zeichen der so genannten Negativ-Symptomatik (Gefühlsverflachung, sozialen Rückzug, Antriebsmangel). Atypische Neuroleptika sind besonders geeignet, um neuerliche Schübe der Erkrankung zu verhindern (Rezidivprophylaxe).

    Zu den atypischen Neuroleptika gehören die Wirkstoffe Amisulprid, Asenapin, Clozapin, Loxapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Sulpirid, Ziprasidon und andere.
Bis auf Loxapin, das in Form eines Aerosols angeboten wird, müssen alle anderen Neuroleptika gepritzt oder eingenommen werden. Allgemein ist bei einer Anwendung von Neuroleptika immer die möglicherweise eingeschränkte Reaktionsfähigkeit zu beachten, auch bei den moderneren atypischen Wirkstoffen. Daher dürfen Neuroleptika auch nicht zusammen mit Alkohol und Beruhigungsmitteln (die ebenfalls dämpfend wirken) eingenommen werden. Dies kann zu einer gefährlichen Wirkungsverstärkung führen.

Eine spezielle Nebenwirkung der Neuroleptika ist das so genannte maligne neuroleptische Syndrom. Hier kommt es zu Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewegungsstarre, aber auch zu Bewusstseinsstörungen, starkem Schwitzen und beschleunigter Atmung. Das maligne neuroleptische Syndrom ist zwar sehr selten, aber möglicherweise lebensbedrohlich. Besonders junge Männer sind gefährdet.






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