Herzglykoside

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 03. September 2007)

auch bezeichnet als:
Digitalis-Glykoside; Glykoside, herzwirksame; herzwirksame Glykoside

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Herzglykoside" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Bei zwei großen Gruppen von Erkrankungen werden Herzglykoside eingesetzt: bei Herzmuskelschwäche und bei Herzrhythmusstörungen.

  • Für die Therapie der chronischen Herzmuskelschwäche (chronische Herzinsuffizienz) sind Herzglykoside die klassischen Arzneistoffe. Ursprünglich stammen sie aus den Kräutern Fingerhut und Eisenhut. Aus ihnen wurden schon sehr früh alkoholische Pflanzenauszüge für die Herzbehandlung gewonnen.

    Bei der Herzmuskelschwäche ist die Schlagkraft des Herzens vermindert. Es kann dabei die rechte oder die linke Herzhälfte besonders betroffen sein. Ist die rechte Herzhälfte schwach geworden, staut sich das Blut vor dem Herzen in den Körperkreislauf zurück und es kommt zu Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödeme). Bei Linksherzschwäche treten Wasseransammlungen in der Lunge mit Atemnot und Husten auf.

    Die Herzmuskelschwäche wird in vier Stadien eingeteilt (so genannte NYHA-Einteilung):

    • Stadium 1: keine Beschwerden, normale körperliche Belastbarkeit möglich
    • Stadium 2: Beschwerden bei starker körperlicher Belastung
    • Stadium 3: Beschwerden bereits bei leichter körperlicher Belastung
    • Stadium 4: Beschwerden in Ruhe und bei allen körperlichen Aktivitäten.
    Herzglykoside werden zur Behandlung ab den Stadien 3 und 4 eingesetzt, außerdem im Stadium 2, wenn die Therapie mit anderen Wirkstoffen bereits versagt hat. Die durch die Anwendung der Herzglykoside verbesserte Herzarbeit wirkt sich mit der Zeit positiv auf den gesamten Kreislauf aus: Der Blutdruck nimmt ab und ein krankhaft vergrößertes Herz kann sich wieder verkleinern.


  • Von Herzrhythmusstörungen spricht man, wenn das Herz zu schnell, zu langsam oder ganz unregelmäßig schlägt. Herzrhythmusstörungen schwächen auf Dauer die Herzleistung. Herzglykoside können zu schnell schlagende Herzen abbremsen. Sie verlangsamen das Herz aber nur, wenn das Herzjagen vom Vorhof des Herzens ausgeht. Das ist bei zwei speziellen Formen des Herzjagens (Tachykardie) der Fall: Sowohl beim Vorhofflattern und schlimmer noch beim Vorhofflimmern schlägt das Herz zu schnell und zusätzlich unregelmäßig.

    Auch das anfallsartige Auftreten von Herzjagen bei einer so genannten paroxysmalen supraventrikulären Tachykardie geht von den Herzvorhöfen aus und kann mit Herzglykosiden behandelt werden.

So wirken Herzglykoside

Herzglykoside haben zwei Hauptwirkungen auf das Herz:
  • Sie steigern die Kraft des Herzmuskels und das Herz kann wieder kräftiger pumpen.
  • Sie senken die Herzfrequenz, sodass das Herz nicht mehr so oft pro Minute schlagen muss.

Unter der Wirkung von Herzglykosiden macht das Herz also weniger, dafür aber kraftvollere Schläge. Es verbraucht dadurch auch weniger Sauerstoff und Energie.

Neben dieser direkten Wirkung auf das Herz führen Herzglykoside über eine bessere Durchblutung der Niere zur Entwässerung des Körpers. Dadurch sind die Blutgefäße weniger prall gefüllt, was das Herz entlastet und zusätzlich ist das Risiko vermindert, ein Ödem zu bekommen.

Heutzutage werden zwei Arten von Herzglykosiden eingesetzt: Digitoxin und Digoxin und seine Abkömmlinge. Beide haben die gleiche Wirkung auf den Körper, aber ihre Aufnahme und Ausscheidung im Körper unterscheiden sich stark.
  • Digitoxin hat einen langsamen Wirkungseintritt und ist deshalb bei anfallsartigen Herzbeschwerden wenig sinnvoll. Ausgeschieden wird Digitoxin hauptsächlich über die Leber und es kann deshalb ohne große Probleme auch bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen gegeben werden.
  • Digoxin und seine Abkömmlinge wie zum Beispiel Beta-Acetyldigoxin wirken dagegen schnell und können direkt ins Blut gespritzt werden. Sie werden überwiegend über die Nieren ausgeschieden, deshalb ist bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen große Vorsicht geboten.
Die ganze Gruppe der Herzglykoside hat eine geringe therapeutische Breite. Das bedeutet, dass nur ein schmaler Grad zwischen heilender und giftiger Dosis besteht. Deshalb müssen Herzglykoside sehr sorgfältig dosiert werden. Zeichen der Vergiftung sind Herzrhythmusstörungen, Magen- und Darmbeschwerden und nervliche Störungen. Erste Maßnahme dagegen ist das Absetzen der Herzglykoside. Durch Gabe von Aktivkohle, Cholestyramin oder spezieller Antikörper wird der Wirkstoff dann gebunden und unwirksam gemacht.




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