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Beta-2-Sympathomimetika

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 29. November 2007)

auch bezeichnet als:
Beta-2-Adrenergika; Beta-2-Adrenozeptor-Agonisten; Beta-2-Agonisten

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Beta-2-Sympathomimetika" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Beta-2-Sympathomimetika erweitern die in die Lunge führenden Luftröhren (Bronchien). Daher werden sie zur Therapie von Asthma und der chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) eingesetzt. Die COPD wird unterteilt in die chronische Bronchitis und das Lungenemphysem (Blählunge). Wichtige Vertreter dieser Arzneimittelgruppe sind Salbutamol, Salmeterol, Terbutalin, Fenoterol, Clenbuterol und Formoterol.

Neben dieser Anwendung in der Lungentherapie wird ein beta-2-Sympathomimetikum, nämlich Fenoterol, in der Frauenheilkunde bei Schwangeren zur Wehenhemmung (Tokolyse) verwendet.

So wirken Beta-2-Sympathomimetika

Beta-2-Sympathomimetika (beta-2-Adrenozeptor-Agonisten) wirken auf das vegetative Nervensystem. Da es von uns nicht willentlich beeinflusst werden kann, wird es auch unwillkürliches oder autonomes Nervensystem genannt.

Das vegetative Nervensystem durchzieht mit seinen Fasern den gesamten Körper und wird von untergeordneten und daher unbewussten Hirnregionen gesteuert. Es hat die Aufgabe, unsere Körper- und Organfunktionen zu koordinieren und zu regulieren. Es wird von zwei Nervensträngen, dem Sympathikus und dem Parasympathikus, beherrscht, die Gegenspieler sind. Stellt sich der Mensch auf Ruhe und Nahrungsaufnahme ein, übernimmt der Parasympathikus die Steuerung. Im Wachen, bei Aktivität und unter Stress-Situationen ist der Sympathikus aktiviert. Er steigert die Fähigkeit zur Arbeitsleistung und stellt Energie für das bewusste Handeln bereit: Die Aufmerksamkeit ist gesteigert, die Pupillen weiten sich, Muskelspannung und Schweißproduktion steigen. Die Muskeln von Magen, Darm, Harnblase und Gebärmutter erschlaffen, der Mund ist trocken, weil weniger Speichel produziert wird. Die Blutgefäße (außer denen des Herzens und der Skelettmuskulatur) verengen sich, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck wird erhöht und die Atmung beschleunigt sich.

Normalerweise wird die Erregung des Sympathikus durch körpereigene Botenstoffe ausgelöst wie Adrenalin und Noradrenalin (auch "Stresshormone" genannt). Die Sympathomimetika ahmen deren Wirkung nach, sie aktivieren den Sympathikus durch Bindung an die Rezeptoren für diese Botenstoffe. Je nachdem, an welche Rezeptoren des Sympathikus sich die Sympathomimetika binden, lösen sie unterschiedliche Teilreaktionen aus. Die verschiedenen Rezeptoren sind "alpha" und "beta" benannt und werden noch spezieller in die Untertypen "alpha-1", "alpha-2", "beta-1" und "beta-2" unterteilt. Die therapeutische Wirkung der beta-2-Sympathomimetika kommt durch die überwiegende Erregung der beta-2-Rezeptoren zustande.

Je nach Anwendungsgebiet lässt sich die Erregung der beta-2-Rezeptoren unterschiedlich nutzen.
  • Wirkmechanismus bei der Behandlung von Asthma und chronisch obstruktiver Bronchitis:
    Durch Angriff an den beta-2-Rezeptoren der Atemwegs-Muskelzellen führen beta-2-Sympathomimetika zu einer Entspannung der Muskelzellen. Daraufhin erweitern sich die Bronchien und die Atemnot des Patienten nimmt ab. Zusätzlich erleichtern die Wirkstoffe das Abhusten des Schleims und verringern die entzündlichen und allergischen Reaktionen.

    Die Substanzen werden vorzugsweise als Dosieraerosole, Pulverinhalationen oder Inhalationslösungen verwendet, sie können aber auch in Form von Kapseln eingenommen werden. Bei der Inhalation haben sie weniger Nebenwirkungen und wirken innerhalb von drei bis fünf Minuten.

  • Wirkmechanismus bei der Wehenhemmung:
    An der Gebärmutter wird durch die Erregung der beta-2-Rezeptoren ebenfalls eine Erschlaffung der Muskelzellen herbeigeführt. Da Wehen Zusammenziehungen der Gebärmuttermuskulatur sind, können so während der Schwangerschaft frühzeitig auftretende Wehen verhindert werden.
Nicht nur die therapeutischen Wirkungen, auch die Nebeneffekte der beta-2-Sympathomimetika beruhen auf der für sie typischen Erregung der Rezeptoren:
  • In Leber und Skelettmuskel wird bei Erregung der beta-2-Rezeptoren vermehrt Glycogen (eine Speicherform von Zucker) abgebaut, was zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führt.
  • Manche beta-2-Sympathomimetika haben zusätzlich auch eine leichte Wirkung auf die beta-1-Rezeptoren. Diese tritt umso stärker zutage, je höher die Dosierung ist. Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Angina Pectoris-Anfälle, Übelkeit, Schwächegefühl und übermäßige Schweißproduktion beruhen vor allem auf einer solchen teilweisen beta-1-Beeinflussung.

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