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Benzodiazepine

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 09. Oktober 2007)

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe
"Benzodiazepine" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Die Anwendungsgebiete der Benzodiazepine sind Krankheiten der Psyche und des Gehirns. Sie umfassen dabei ein relativ weites Feld. Folgende Aufstellung gibt einen Überblick über die Einsatzgebiete der Benzodiazepine:
  • Angststörungen
  • übergangsweise Therapie zu Beginn einer Depression
  • Unruhe
  • psychosomatische Beschwerden (körperliche Störungen, die aber psychische Ursachen haben)
  • Schlafstörungen, bei denen die Wirkstoffe wegen ihrer müde machenden (sedierenden) Wirkung Anwendung finden
  • Epilepsien, die auf die Übererregbarkeit gewisser Gehirnbereiche zurückzuführen sind. Benzodiazepine dienen sowohl der Behandlung eines akuten Epilepsieanfalls (und bei Kleinkindern des so genannten "Fieberkrampfs") wie der Vorbeugung wiederholter Epilepsieanfälle.
  • Krampflösung und Schmerzlinderung bei Muskelverspannungen
  • Beruhigung und Angstlösung vor Narkosen oder diagnostischen Eingriffen
  • schwere Erregungszustände wie beispielsweise beim akuten Herzinfarkt
  • Alkoholentzug. Die Wirkstoffe dämpfen Symptome wie Angst, Krämpfe, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit. Allerdings darf hier nur kurz therapiert werden, um nicht eine erneute Abhängigkeit, diesmal von den Benzodiazepinen, entstehen zu lassen.
Es gibt mittlerweile sehr viele verschiedene Benzodiazepine. Sie wurden entwickelt, um Medikamente mit möglichst verschiedenen Wirkmustern, von unterschiedlicher Wirkdauer sowie mit möglichst geringen Nebenwirkungen zu erzielen. Am bekanntesten sind die Wirkstoffe Diazepam, Oxazepam, Nitrazepam, Lorazepam, Bromazepam, Flurazepam, Flunitrazepam, Alprazolam, Triazolam, Lormetazepam, Dikaliumchlorazepat, Chlordiazepoxid und Tetrazepam.

Entscheidend für die Auswahl eines Benzodiazepins sind Wirkeintritt und Wirkdauer. Schneller Wirkeintritt und kurze Wirkdauer (wie bei Triazolam) sind bei Einschlafproblemen günstig. Mittlerer Wirkeintritt und mittlere Wirkdauer (wie bei Oxazepam) sind bei Durchschlafproblemen geeignet. Eine lange Wirkdauer würde als Nebenwirkungen Müdigkeit und Benommenheit am nächsten Morgen verursachen. Diese Nebenwirkungen werden jedoch bei anderen Krankheitsbildern, wie beispielsweise Angststörungen, Muskelverspannungen oder einer Epilepsie in Kauf genommen. In diesen Fällen ist eine lange Wirkdauer nötig. Eine lange Wirkdauer hat beispielsweise Diazepam.

So wirken Benzodiazepine

Benzodiazepine sind so genannte Psychopharmaka, sie wirken also im Gehirn auf das Befinden und die Stimmungslage. Wie viele andere Substanzen dieser Art wirken auch die Benzodiazepine, indem sie im Gehirn in den Stoffwechsel der Nervenzellen und die Konzentrationen der Botenstoffe (Neurotransmitter) zwischen ihnen eingreifen. Benzodiazepine hemmen mittelbar die Erregbarkeit der Nervenzellen. Sie wirken insgesamt beruhigend, erregungs- und aggressionsdämpfend, entspannend, angstlösend und schlafanstoßend. Daher rechnet man sie auch zu den sogenannten Tranquillantien (oder englisch: Tranquilizer), also zu den Entspannungs- und Beruhigungsmitteln. Die entspannende und beruhigende Wirkung macht man sich bei allen Anwendungsgebieten der Benzodiazepine zu nutze.

Die typischen Nebenwirkungen der Benzodiazepine hängen mit der zentralen Dämpfung des Gehirns zusammen. Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel und eine Einschränkung des Denkvermögens sind daher häufig. Besonders problematisch ist aber, dass man sich an die Benzodiazepine gewöhnen kann und von ihnen nicht mehr loskommt, das heißt abhängig wird. Diese Abhängigkeit entsteht aus zwei Gründen:
  • Benzodiazepine lösen die Ursache des Problems (zum Beispiel der inneren Unruhe, der Angst oder der Schlafstörungen), dessentwegen sie angewendet werden, nicht. Sie überdecken das Problem nur und schirmen den Patienten von der Realität ab. So entsteht eine seelische Abhängigkeit von diesem Schutz gegen die Realität, die dazu zwingt, den Wirkstoff immer weiter einzunehmen.
  • Beendet man die Einnahme der Benzodiazepine, treten die Symptome wie Angst oder Schlaflosigkeit oft verstärkt wieder auf. Dieser sogenannte "Rebound-Effekt" kommt besonders nach längerer Einnahme und/oder bei plötzlichem Absetzen zum Tragen und ist Ausdruck einer körperlichen Abhängigkeit. Auch diese führt dazu, dass die Patienten immer wieder zu dem Wirkstoff greifen.
Um den Teufelskreis der Abhängigkeit zu vermeiden, sollten Benzodiazepine stets nur für kurze Zeit angewendet und die Einnahme immer unter langsamer Dosisverminderung beendet werden. Benzodiazepine sind diejenigen Arzneimittel in Deutschland, die am häufigsten missbräuchlich (also zu lange und nicht der Krankheit angemessen) verwendet werden!

Die Gefahr der Gewohnheitsbildung und Toleranz (das heißt: man braucht für die gleiche Wirkung immer höhere Dosen des Wirkstoffs) steigt mit der Dauer der Anwendung (länger als zwei bis drei Wochen). Sie scheint bei den Benzodiazepinen Flunitrazepam und Lorazepam am höchsten zu sein.

Ältere Patienten sollten niedrigere Dosierungen als jüngere Erwachsene erhalten und am besten mit Benzodiazepinen von mittlerer Wirkdauer behandelt werden. Geeignet ist hier zum Beispiel das Lormetazepam. Der Grund ist die langsamere Ausscheidung der Arzneimittel im Alter, die insgesamt zu höheren Medikamentenkonzentrationen im Blut und stärkerer Wirkung führt.

Alle Benzodiazepine haben eine große so genannte therapeutische Breite. Das bedeutet: Der Abstand zwischen normaler Dosierung und der Menge, bei der das Arzneimittel tödlich wirkt, ist sehr weit. Damit sind die Benzodiazepine, abgesehen von der Suchtgefahr, bei korrekter Anwendung sehr sichere Arzneimittel.






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