Antidiabetika

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 03. August 2017)

auch bezeichnet als:
Wirkstoffe gegen Diabetes mellitus; Wirkstoffe gegen Zuckerkrankheit

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Antidiabetika" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Antidiabetika dienen der Behandlung der Zuckerkrankheit in ihren beiden Ausprägungen als Diabetes mellitus vom Typ 1 oder Diabetes mellitus vom Typ 2.

Bei der Erkrankung vom Typ 1 kommt die natürliche Produktion des Hormons Insulin langsam zum Erliegen. Als Ursache wird heute ein Autoimmunprozess vermutet. Bei diesem wendet sich die körpereigene Abwehr gegen die insulinproduzierenden Zellen der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse. Die Auslöser sind unbekannt, doch typischerweise stehen am Anfang dieser Entwicklung eine schwere Infektionskrankheit oder Verletzungen. Vorwiegend sind Jugendliche betroffen.

Vereinfacht gesagt, hat die Erkrankung vom Typ 2 ihre Ursache zum einen in einem ungesunden Lebensstil (Übergewicht, Bewegungsmangel), zum anderen spielt die erbliche Veranlagung eine Rolle. Trat dieser Typ der Zuckerkrankheit früher vorwiegend bei Senioren auf ("Altersdiabetes"), ist er heute auch in jüngeren Bevölkerungsschichten und bei Kindern verbreitet.

Je nach Art der Erkrankung kommen unterschiedliche Wirkstoffgruppen zum Einsatz:
Bei Diabetes mellitus vom Typ 1 kann man nur das fehlende Hormon ersetzen. Demzufolge kommen Insuline und Insulin-ähnliche Wirkstoffe, die Insulin-Analoga, zur Anwendung. Alle diese Wirkstoffe müssen gespritzt werden.

Diabetes mellitus vom Typ 2 kann man mit Wirkstoffen behandeln, die fast alle zum Einnehmen geeignet sind. Diese sogenannten oralen Antidiabetika bilden jedoch auch keine einheitliche Gruppe. Man unterscheidetEbenfalls das Hormon Inkretin beeinflussen die Wirkstoffe Dulaglutid, Exenatid, Liraglutid und Lixisenatid, allerdings müssen sie gespritzt werden.

Meistens verlieren die bei Diabetes mellitus vom Typ 2 eingesetzten Substanzen und Kombinationen mit der Zeit ihre Wirkung. Dann muss der Patient zunächst in niedriger Dosierung Insulin spritzen und häufig ist später eine alleinige Insulintherapie unumgänglich.

So wirken Antidiabetika

Insuline und Insulin-Analoga wirken, indem sie das fehlende Hormon ersetzen.

Kommt der Darm in Kontakt mit Zucker, schüttet er das Hormon Inkretin aus. Inkretin steuert über den GLP-1-Rezeptor die Produktion und Freisetzung von Insulin aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse und drosselt die Glukose-Produktion der Leber. Wie Inkretin wirkende Substanzen sind Albiglutid, Dulaglutid, Exenatid, Liraglutid und Lixisenatid. Sie binden an den GLP-1-Rezeptor, an den normalerweise das ausgeschüttete Inkretin andockt und wirken dort in gleicher Weise. Da alle diese Wirkstoffe Eiweiße sind, müssen sie wie Insulin gespritzt werden.

Die meisten oralen Antidiabetika wirken, indem sie die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse dazu anregen, mehr Insulin auszuschütten. So steuern sie dem Insulin-Mangel entgegen. Auf diese Weise wirken Sulfonylharnstoffe und Abkömmlinge, Glinide wie Repaglinid und Nateglinid.
Auf Inkretin zielen die ebenfalls zum Einnehmen geeigneten "Gliptine" wie Saxagliptin, Sitagliptin und Vildagliptin. Sie hemmen das Enzym Dipeptidyl-Peptidase, das normalerweise die Effekte von Inkretin begrenzt. Lockern die Gliptine die Enzym-"Bremse", sorgt das Inkretin bei einem gewissen Glukosegehalt des Blutes für die Freisetzung von Insulin und senkt so den Blutzuckerspiegel.

Die Effekte aller dieser Wirkstoffe können im Laufe der Erkrankung abnehmen, da sich die Fähigkeit der Zellen, Insulin zu produzieren, mit der Zeit vermindert.

Andere orale Antidiabetika wirken nicht direkt auf die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Sie erhöhen dafür die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin (wie beispielsweise Metformin und die Glitazone) oder verzögern die Glukoseaufnahme aus dem Darm (wie Acarbose und Miglitol). Die Wirkstoffe lassen die Patienten nicht zunehmen, daher sind sie besonders für übergewichtige Diabetiker geeignet. Alle Substanzen dieser Gruppe verursachen keine Ausschüttung des Hormons Insulin, sondern verbessern nur dessen Wirkung. Somit besteht keine Gefahr der Unterzuckerung und die Wirkstoffe werden häufig auch in Kombination mit Mitteln eingesetzt, die die Insulinausschüttung fördern.




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