Antagonisten von Purin- und Pyrimidin-Basen

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 10. September 2007)

auch bezeichnet als:
Purinantagonisten und Pyrimidinantagonisten

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Antagonisten von Purin- und Pyrimidin-Basen" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Antagonisten von Purin- und Pyrimidinbasen wie Capecitabin und Gemcitabin sind Wirkstoffe, die in der Chemotherapie eingesetzt werden und der Behandlung von Krebserkrankungen dienen. Sie werden verwendet bei Leukämie, Darmkrebs, Brustkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom), Lungenkrebs und Blasenkrebs.

Aktuell werden neben der Krebstherapie zwei weitere Behandlungsfelder für bestimmte Antagonisten von Purin- und Pyrimidinbasen klinisch erforscht. Es wird überprüft, wie wirksam sie gegen bestimmte Entzündungen sind. Außerdem kann man sie möglicherweise nach einer Transplantation einsetzen. Es gibt Hinweise, dass die Wirkstoffgruppe die Abstoßung eines verpflanzten Organes oder Körperteils verhindern könnte.

So wirken Antagonisten von Purin- und Pyrimidin-Basen

Alle Zellen eines lebenden Organismus haben das gleiche Erbgut in ihrem Zellkern. Das Erbgut besteht aus der DNA, einem langen, strickleiterförmigen Riesenmolekül. Es ist aus kleineren Molekülen aufgebaut, die Abkömmlinge der chemischen Stoffe Purin und Pyrimidin sind. Diese so genannten Nukleotide hängen in schier unendlicher Reihe aneinander. Ihre Abfolge ist dabei nicht zufällig, sondern beinhaltet die eigentliche Erbinformation und den Bauplan für alle Eiweiße, die der Körper benötigt. Bei der Vermehrung der Zellen muss jedesmal die Erbinformation, das Riesenmolekül der DNA, verdoppelt werden. Nur so kann sie sich auf die entstehenden zwei neuen Zellen gleichermaßen verteilen. Dadurch hat jede Zelle theoretisch Zugriff auf die gesamte Erbinformation. Allerdings spezialisieren sich die Zellen im Laufe der Entwicklung des Ungeborenen allmählich und übernehmen ganz verschiedene Aufgaben. Je nachdem, zu welchem Gewebe sie dann gehören, aktivieren sie nur bestimmte Teile ihres Erbguts. Jede Zelle hat somit ihren ganz individuellen Plan, der ihre Tätigkeit, ihren Vermehrungsrhythmus und ihre Lebenszeit bestimmt.

Charakteristisch für Krebserkrankungen ist, dass dieser Plan der Zellen im betroffenen Organ durcheinander gerät. Die Zellen vermehren sich dann plötzlich unkontrolliert und sehr schnell. Natürlich erfordert die erhöhte Teilungsrate auch mehr Baumaterial für die DNA. Hier greifen die Wirkstoffe der Purin- und Pyrimidin-Antagonisten ein. Sie ahmen Purine und Pyrimidine so perfekt nach, dass sie als Nukleotide in die neue DNA eingebaut werden. Da die falschen Bausteine jedoch funktionslos sind, bringen sie den Teilungsprozess zum Abbruch und stoppen so die Vermehrung der Krebszellen.

Antagonisten von Purin- und Pyrimidinbasen unterscheiden allerdings nicht zwischen gesunden Zellen und Tumorzellen. Sie lösen daher auch in gesunden Geweben mit hoher Zellteilungsrate erhebliche Nebenwirkungen aus. So in den Haarwurzeln (Haarausfall), den Schleimhautzellen des Verdauungtraktes (Übelkeit und Erbrechen) und im Knochenmark (Schädigung der Blutbildung mit der Folge einer Blutarmut).




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