Aminosalicylate

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 12. September 2007)

auch bezeichnet als:
5-Aminosalicylsäure

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Aminosalicylate" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Die Wirkstoffe werden zur Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa (Entzündungen des Dickdarms) und Morbus Crohn (Entzündungen, welche den gesamten Verdauungskanal betreffen können) eingesetzt. Bei beiden Krankheiten wechseln sich beschwerdefreie Erholungsphasen mit akuten Entzündungsschüben ab.

Die entzündete Darmschleimhaut kann ihre Aufgabe, die in der Aufnahme von Nährstoffen und Wasser besteht, nicht mehr erfüllen. Es kommt zu Mangelernährung und starken Durchfällen. Für den Patienten besonders unangenehm sind jedoch die Schmerzzustände, die mit dem Krankheitsgeschehen verbunden sind.

Zu der Wirkstoffgruppe der Aminosalicylate gehören Mesalazin, Olsalazin und Sulfasalazin.

So wirken Aminosalicylate

Alle drei Wirkstoffe der Gruppe sind letztlich 5-Aminosalicylsäuren, auch Mesalazin genannt. 5-Aminosalicylsäure ist nicht säurefest. Im sauren Magensaft würde sie nach der Einnahme zerstört und wirkungslos werden. Daher kann Mesalazin entweder nur in magensäurefester Verkapselung den Darm erreichen oder wird in Form von Zäpfchen oder als Klysma verabreicht.

Sulfasalazin und Olsalazin stellen Verbindungen von Mesalazin mit einem anderen Molekül oder sich selbst als ein Doppelmolekül dar. So sind sie säurefest und werden vom Körper praktisch nicht aufgenommen. Sie gelangen daher unbeschadet an ihren Einsatzort, den Darm. Erst dort spalten Enzyme von Darmbakterien die Molekül-Bindungen und setzen den eigentlichen Wirkstoff Mesalazin frei.

Der Wirkungsmechanismus der Aminosalicylate ist breit gefächert. Für die Wirkung am wichtigsten scheint zu sein, dass die Substanzen in den Stoffwechsel von Entzündungs-Komponenten eingreifen. Sie zielen dabei vor allem auf die Leukotriene und Interleukine, die wesentlich an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Entzündungen beteiligt sind. Aminosalicylate hemmen einerseits die körpereigene Produktion beider Entzündungsstoffe und unterbinden andererseits ihre Wirkung durch Blockade der Leukotrien- und Interleukin-Rezeptoren im Gewebe. Eine daneben auch vorhandene Hemmung der Herstellung von ebenfalls entzündungsvermittelnden Prostaglandinen ist wohl nur von untergeordneter Bedeutung.

Die Entzündungshemmung durch die Aminosalicylate führt dazu, dass die Darmschleimhaut abheilt und sich neues Gewebe bilden kann. Da besonders die Oberfläche der Darmschleimhaut für die Verdauung verantwortlich ist, kann nach erfolgreicher Therapie der Darm wieder Nahrung verdauen und der Stuhlgang normalisiert sich.




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