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Aminoglykosid-Antibiotika

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 03. Dezember 2007)

auch bezeichnet als:
Aminoglykoside

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Aminoglykosid-Antibiotika" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Aminoglykosid-Antibiotika sind Wirkstoffe, die der Vernichtung von Krankheitserregern dienen. Nach der Einnahme durch den Mund (oral) werden sie kaum vom Körper aufgenommen und wirken daher örtlich vor allem im Dünn- und Dickdarm. In Cremes, Salben oder Lösungen eingearbeitet, wirken Aminoglykosid-Antibiotika begrenzt auf der Haut. Werden sie allerdings gespritzt oder als Infusion gegeben, verteilen sie sich schnell im gesamten Organismus und können auch allgemeine Infektionen bekämpfen.

Wie und wann welche Aminoglykosid-Antibiotika eingesetzt werden, zeigt die folgende Aufstellung:
  • Orale Gabe:
    Für einen möglichst keimfreien Darm sorgt die Gabe von Neomycin und Paronomycin. Sie werden nur bei drei Gelegenheiten eingenommen:
    • Um vor Operationen die Darmkeime abzutöten. Der Darm stellt bei Operationen immer ein Keimdepot mit hohem Infektionsrisiko dar.
    • Bei Koma oder einer Gehirn"vergiftung" infolge eines Leberversagens (portosystemische Enzephalopathie). Bei dieser Erkrankung ist die Leberfunktion mangelhaft oder ganz ausgefallen. Die Leber kann den von Darmbakterien gebildeten Ammoniak nicht mehr abbauen. Er reichert sich im Blut an und schädigt das Gehirn. Die Wirkstoffe töten die Ammoniak-produzierenden Darmbakterien ab.
    • Bei Blutkrebs (Leukämie) und Granulozytopenie. Beide Krankheiten sind mit einer Immunschwäche verbunden, die den Körper gegen Erreger wehrlos macht. Die Wirkstoffe halten bei diesen Krankheitsbildern das Infektionsrisiko möglichst klein.
  • Äußerliche Anwendung:
    Bei bakteriellen Infektionen an Haut und Auge kommen nur Neomycin, Kanamycin und Framycetin zur Anwendung.
  • Anwendung als Spritze oder Infusion (parenteral):
Ein ähnlich wie die Aminoglykoside wirkendes Mittel ist das Spectinomycin. Es wird ausschließlich bei nicht kompliziertem Tripper (Gonorrhöe) eingesetzt, wenn Penicilline bei dieser Geschlechtskrankheit nicht wirken.

So wirken Aminoglykosid-Antibiotika

Aminoglykoside töten eine breite Palette von Bakterien ab. Dazu dringen sie in die Bakterien ein und heften sich dort an die so genannten Ribosomen. Ribosomen sind die Zellorgane, die Eiweiße bilden. Blockieren Aminoglykoside die Ribosomen, können wichtige Eiweiße nur noch fehlerhaft hergestellt werden. Diese fehlerhaften Eiweiße sind meist auch funktionslos. Die Bakterien gehen daran zugrunde und sterben ab. Daher wird die Wirkung der Aminoglykosid-Antibiotika auch als bakterizid bezeichnet - im Gegensatz zur bakteriostatischen Wirkung anderer Antibiotika, die Bakterien nur in ihrem weiteren Wachstum hemmen.

Vorteilhafterweise gelangen die Aminoglykosid-Antibiotika auf zwei Wegen in die Bakterien. Einmal können sie durch die normalen Poren der Bakterienwände dringen. Aber sie vermögen auch direkt die Zellwände zu überwinden. Dies erklärt den raschen Wirkungseintritt. Allerdings reagieren auf Aminoglykosid-Antibiotika nur solche Bakterien empfindlich, die Sauerstoff zum Leben brauchen. Diese Bedingung erschwert beispielsweise die Therapie einer Blutvergiftung. Gegen anaerobe Bakterien, die ganz ohne Sauerstoff auskommen, sind Aminoglykosid-Antibiotika unwirksam.

Da die Aminoglykoside innerhalb der Bakterien wirken, sterben die Erreger noch mehrere Stunden nach Gabe eines solchen Wirkstoffs ab. Dieser Effekt hängt jedoch von der Konzentration des Wirkstoffs ab. Folgt die zweite Dosis des Antibiotikums zu rasch auf die Erstgabe, lässt die Wirkung deutlich nach, da die Bakterien schon gewissermaßen "gesättigt" sind. Deshalb ist bei den Aminoglykosiden eine hohe Einmalgabe pro Tag wirksamer als mehrere kurz nacheinander folgende Gaben.

Aminoglykosid-Antibiotika reichern sich besonders in der Niere und im Gewebe des Innenohrs an, wodurch das Vergiftungsrisiko mit zunehmender Anwendungsdauer wächst. Vergiftungssymptome sind Nierenschäden und unheilbare Taubheit durch Zerstörung des ins Innenohr reichenden achten Hirnnervens. Die Wirkstoffe fließen aus Niere und Innenohr nur ab, wenn ihre Konzentration dort höher liegt als im Blut. So muss der Arzt die Behandlung stets durch eine Messung der Wirkstoff-Blutspiegel überwachen.



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