Chinin

Wirkstoff || Quellen (Stand: 09. Januar 2014)

auch bezeichnet als:
(8S,9R)-6'-Methoxy-9-cinchonanol; (R)-(6-Methoxychinolin-4-yl)[(2S,4S,5R)-5-ethenyl-1-azabicyclo[2.2.2.]oct-2-yl]methanol; Chininum

So wirkt Chinin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Chinin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Mittel gegen Malaria, Muskelrelaxanzien, zu welcher der Wirkstoff Chinin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Chinin

Chinin wurde früher zur Bekämpfung von Fieber eingesetzt, kommt heute aber in erster Linie bei der Behandlung der Malaria zur Anwendung. Seit stärker wirksame synthetische Malariamittel wie Chloroquin zur Verfügung stehen, geht der Verbrauch dieses Wirkstoffs zurück. Allerdings wird Chinin immer dann eingesetzt, wenn ein Malariapatient nicht auf Chloroquin anspricht oder eine besonders komplizierte Form der Malaria vorliegt.

Ein weiteres Einsatzgebiet von Chinin sind Wadenkrämpfe, unabhängig davon, ob diese durch Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Krampfadern, Venenentzündungen, Gefäßverstopfung (Arteriosklerose), Gelenkerkrankungen oder Fußfehlbildungen verursacht wurden. Chinin entspannt die Muskulatur und lindert den Schmerz. Die Anwendung ist ausschließlich auf Erwachsene beschränkt und darf nur erfolgen, wenn die Krämpfe besonders häufig oder schmerzhaft sind, eine behandelbare Ursache ausgeschlossen werden konnte und andere Maßnahmen keine ausreichende Linderung bringen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Chinin sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Chinin

    Chinin wird den Mitteln gegen Malaria sowie der Wirkstoffgruppe der Muskelrelaxanzien zugeordnet. Je nach Einsatzgebiet senkt Chinin das Fieber bei Malaria und tötet Malariaerreger ab oder trägt zur Muskelkrampflösung bei.

    Chinin hat unterschiedliche Wirkungsweisen, je nachdem, ob es als Mittel gegen Malaria oder zum Lösen von Muskelkrämpfen eingesetzt wird:
    • Wirkung als Malariamittel
      Chinin greift den Erreger der Malaria, einen einzelligen Parasiten, im Blut an. Dieser Parasit wird über den Stich einer infizierten Stechmücke der Gattung Anopheles übertragen. Nach dem Stich der Mücke nisten sich die Parasiten zunächst in der Leber ein und dringen dann in das Blut vor. Sie besiedeln dort die roten Blutkörperchen, um sich zu vermehren. Dabei bedienen sie sich des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), um Rohstoffe für die eigene Vermehrung zu gewinnen. Dabei fällt als Abbauprodukt Häm an. Für den Krankheitserreger ist das Abfall, den er mit Hilfe eines Enzyms zusammenschnürt und einlagert. Chinin hemmt dieses Enzym, so dass der Erreger seinen Abfall nicht entsorgen kann und daran stirbt.

    • Wirkung als Muskelrelaxans
      Chinin wirkt auf den Muskel über drei Mechanismen. Es verlängert zum einen die Zeit, in der der Muskel nicht erregt werden kann (Refraktärzeit) durch direkte Wirkung auf die Muskelfaser. Der Wirkstoff vermindert außerdem die Erregbarkeit an der Verbindung zwischen Nerv und Muskelfaser und er beeinflusst die Verteilung von Calcium in der Muskelfaser, die für die Erregungsleitung wichtig ist. zum Dritten erhöht Chinin die Schwelle für eine Reaktion des Muskels auf einen einzelnen maximalen Reiz. Ein Reiz muss also stärker sein, damit der Muskel überhaupt reagiert. Dies geschieht unabhängig davon, ob dieser Reiz auf den Muskel direkt oder über den Nerv einwirkt. Insgesamt nimmt durch den Wirkstoff die Bereitschaft zu Krämpfen ab.




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