Bevacizumab

Wirkstoff || Quellen (Stand: 16. Mai 2013)

auch bezeichnet als:
Bevacizumabum; Immunoglobulin G1 (Mensch-Maus monoclonaler rhuMAb-VEGF gamma-chain anti-human vascular endothelial growth factor), Disulfid with Mensch-Maus monoclonalem rhuMAb-VEGF light chain, Dimer

So wirkt Bevacizumab

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Bevacizumab. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Immunstärkende und -schwächende Mittel, Zytostatika, Monoklonale Antikörper, zu welcher der Wirkstoff Bevacizumab gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Bevacizumab

Bevacizumab wird vor allem zur Behandlung verschiedener Krebsarten eingesetzt.

Bei Dickdarm- und Enddarmkrebs, der schon Tochtergeschwülste (Metastasten) gebildet hat, kommt der Wirkstoff ausschließlich in Kombination mit einer Chemotherapie (Zytostatika des Fluoropyrimidin-Typs) zum Einsatz.

Zur Erstbehandlung von Brustkrebs-Patientinnen mit Tochtergeschwülsten wird Bevacizumab in Kombination mit dem Zytostatikum Paclitaxel verwendet. Auch zusammen mit Capecitabin kann Bevacizumab bei Brustkrebs mit Metastasen eingesetzt werden, wenn mit Taxanen oder Anthrazyklin-Zytostatika kein Therapieerfolg zu erzielen ist.

Zur Erstbehandlung von Bronchialkrebs dient Bevacizumab zusätzlich zu einer Chemotherapie mit Platin-haltigen Zytostatika (beispielsweise Cisplatin). Allerdings ist die Behandlung auf nicht operierbare und fortgeschrittene, Tochtergeschwülste bildende oder wieder aufgetretene Formen beschränkt. Der Krebs darf nicht kleinzellig sein, außer er geht von den Zellen des Plattenepithels aus, einer Zellschicht, die die Bronchien innen auskleidet.

Bei Patienten mit fortgeschrittenem und/oder Tochtergeschwülste bildendem Nierenzellkrebs wird Bevacizumab auch in Kombination mit Interferon alfa-2a zur Erstbehandlung angewendet.

In Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel wird Bavcizumab auch zur Erstbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenen bösartigen Krebsformen an den Eierstöcken, den Eileitern oder dem Bauchfell (epitheliales Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom, primäres Peritonealkarzinom) angewendet.

Seit kurzem wird Bevacizumab experimentell auch bei störenden Gefäßneubildungen unter der Netzhaut des Auges, also bei der feuchten Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) sowie bei Wasseransammlungen am Punkt des schärfsten Sehens in der Netzhaut (Makulaödem) an diversen größeren Krankenhäusern in den Glaskörper des Auges gespritzt. Dies führt zum Wachstumsstopp der zusätzlich gewachsenen Gefäße unter der Netzhaut und teilweise sogar zu deren Zurückbildung. Dass Bevacizumab auch gefäßabdichtend wirkt, führt zusätzlich zur Rückbildung eines Makulaödems. Für den augenärztlichen Einsatz ist der Wirkstoff zwar nicht zugelassen, wird dazu jedoch auf breiter Front im so genannten Off-Label-Use angewendet.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Bevacizumab sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Bevacizumab

Alle Krebsgeschwülste setzen verstärkt Wachstumsfaktoren frei, die ein Wachstum von Blutgefäßen auslösen. Damit sichern die Krebszellen ihre Selbstversorgung.

Bevacizumab greift in diese Überlebensstratgie der Krebszellen ein, indem es die Bindungsstellen (Rezeptoren) für den so genannten Gefäßwachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor) blockiert. Dadurch kann sich VEGF nicht mehr an die Oberfläche von Blutgefäßzellen anheften und die Produktion von Blutgefäßen (und damit die Versorgung der Krebszellen) ankurbeln. Neue Blutgefäße wachsen in der Folge nur zögerlich in das Krebsgewebe ein. Im Ergebnis kann der Tumor sich nicht mehr ungehindert ausbreiten.

Ein weiterer Effekt von Bevacizumab ist die Abdichtung von Blutgefäßen. Das verhindert den Wasseraustritt in umliegendes Gewebe und damit die Bildung von Ödemen (siehe auch Wassereinlagerungen ins Gewebe (Ödeme)), wie sie für manche Krebsarten charakteristisch sind.

Verkürzt dargestellt wird Bevacizumab hergestellt, indem man Mäusen den menschlichen Gefäßwachstumsfaktor VEGF spritzt. Daraufhin bildet die Maus so genannte Antikörper gegen VEGF. Diese werden mit menschlichen Antikörpern "gekreuzt", damit es später nicht zu allergischen Reaktionen auf das Mäuse-Eiweiß kommt.

Bei der Anwendung am Auge macht man sich ebenfalls die oben beschriebenen Wirkungen zunutze. In diesem Fall hemmt der Wirkstoff in der Netzhaut das Wachstum störender Blutgefäße und die gefäßabdichtende Wirkung verhindert Wassereinlagerungen am Ort den schärfsten Sehens (Makula-Ödeme).




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