Bevacizumab

Wirkstoff || Quellen (Stand: 16. Mai 2013)

auch bezeichnet als:
Bevacizumabum; Immunoglobulin G1 (Mensch-Maus monoclonaler rhuMAb-VEGF gamma-chain anti-human vascular endothelial growth factor), Disulfid with Mensch-Maus monoclonalem rhuMAb-VEGF light chain, Dimer

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Bevacizumab im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Bevacizumab nicht verwendet werden?

Bevacizumab darf nicht eingesetzt werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Zellprodukten des chinesischen Hamsters (CHO-Zellprodukte) oder andere menschlich/tierische Antikörper sowie bei Patienten mit unbehandelten Tochtergeschwülsten im Gehirn.

Nur nach besonderer ärztlicher Nutzen/Risiko-Abwägung und unter Beobachtung dürfen Patienten mit Bevacizumab behandelt werden, die
  • Dickdarm- und Enddarmkrebs mit Tochtergeschwülsten und zusätzlich Entzündungen im Bauchraum haben. Bei diesen Patienten wird das Risiko für einen Magen-Darm-Durchbruch möglicherweise durch Bevacizumab erhöht. Bei einem Durchbruch ist die Behandlung sofort zu beenden.
  • Fisteln aufweisen, die durch Bevacizumab verschlimmert werden können. Bei Patienten mit Fisteln im Bereich der Speise- und Luftröhre oder anderen großen Fisteln muss die Behandlung abgesetzt werden.
  • gerade operiert wurden. Bevacizumab kann die Wundheilung beeinträchtigen. Daher sollte die Behandlung frühestens 28 Tage nach einem größeren operativen Eingriff oder erst nach völliger Abheilung der Operationswunde begonnen werden. Bei Wundheilungsstörungen sollte die Behandlung bis zum völligen Abheilen der Wunde abgesetzt werden. Auch vor einer Operation darf Bevacizumab nicht eingesetzt werden.
  • Bluthochdruck haben. Dieser sollte vor Beginn der Behandlung angemessen gesenkt werden. Ist dies nicht möglich, verbietet sich die Behandlung. Wahrscheinlich sind Blutdruckerhöhungen durch Bevacizumab dosisabhängig, daher sollte der Blutdruck regelmäßig überwacht werden. Müssen Blutdrucksenker eingenommen werden, dürfen bei einer Kombinationsbehandlung mit Cisplatin-haltigen Zytostatika keine Entwässerungsmittel zur Einstellung des Blutdrucks verwendet werden.
  • epileptische Anfälle, Kopfschmerzen, einen veränderten Geisteszustand, Sehstörungen oder Erblindung (mit oder ohne Bluthochdruck) aufweisen. Diese Beschwerden können Ausdruck der Gehirnerkrankung "Reversible posteriore Leukoenzephalopathie" sein, die durch Bevacizumab verschlimmert wird. In einem solchen Fall darf die Behandlung nicht begonnen oder muss nach gesicherter Feststellung der Erkrankung beendet werden.
  • vermehrt Eiweiß mit dem Urin ausscheiden (meist Menschen mit Bluthochdruck). Weil Bevacizumab die Niere schädigen kann, muss während der Therapie die Eiweißausscheidung mit Teststreifen überwacht und ab einem gewissen Grad die Therapie beendet werden.
  • zu Verstopfungen von Arterien neigen. Möglicherweise erhöht Bevacizumab das Risiko von arteriellen Gefäßverschlüssen. Dies gilt besonders für Patienten mit einem Lebensalter von über 65 Jahren oder Gefäßverschlüssen in der Vorgeschichte. Tritt ein Gefäßverschluss auf, ist die Therapie mit Bevacizumab sofort zu beenden.
  • ein erhöhtes Risiko für Venenverstopfungen haben. Venenverstopfungen einschließlich einer Lungenembolie werden durch Bevacizumab begünstigt. Bei Patienten mit lebensbedrohlicher Lungenembolie (Grad 4) muss der Wirkstoff abgesetzt werden. Patienten mit geringer ausgeprägten Lungenembolien (unter Grad 3) können mit besonderer ärztlicher Vorsicht und unter Überwachung weiterbehandelt werden.
  • ein mit der Krankheit verbundenes erhöhtes Blutungsrisiko aufweisen (dazu gehören auch Krebspatienten). Bei Patienten, bei denen Bevacizumab stärkere Blutungen verursacht, muss die Behandlung beendet werden. Müssen Patienten Blutverdünner (Antikoagulanzien) einnehmen oder leiden sie unter Gerinnungsstörungen, ist besondere ärztliche Vorsicht nötig.
  • an nicht kleinzelligem Bronchialkarzinom leiden. Solche Patienten haben das Risiko schwerwiegender und manchmal tödlich verlaufender Lungeneinblutungen (Bluthusten). Tritt solches auf, ist die Bevacizumab-Behandlung zu beenden.
  • eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine Herzmuskelschwäche haben. Diese kann durch eine vorhergehende Strahlentherapie der linken Brustwand, eine Erkrankung der Herzkranzgefäße oder Medikamenten-Nebenwirkungen (beispielsweise eine vorhergehende Behandlung mit Zytostatika aus der Gruppe der Anthracycline) verursacht sein.
  • knochenmarksschädliche Zytostatika erhielten. Bevacizumab kann die Nebenwirkungen dieser Medikamente wie Fieber und Infektionen infolge eines Mangels neutrophiler Blutzellen gefährlich verstärken.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bevacizumab kann die weibliche Fruchtbarkeit durch Hemmung der Eierstockfunktion beeinträchtigen. Nach Abbruch der Behandlung erholt sich die Funktion bei der Mehrzahl der Patientinnen. Die Langzeitwirkungen einer Behandlung mit Bevacizumab auf die Fruchtbarkeit sind nicht bekannt.

Antikörper dringen in den Mutterkuchen ein und gelangen zum Kind, Gleiches ist auch für Bevacizumab zu vermuten. Es kann beim Neugeborenen die Gefäßbildung hemmen und schwerwiegende Geburtsfehler verursachen. Zwar gibt es keine Erfahrungen mit dem Einsatz des Wirkstoffes bei Schwangeren, doch hat sich Bevacizumab in Tierexperimenten als tödlich für die Jungen erwiesen oder es rief Missbildungen hervor. Daher darf der Wirkstoff während der Schwangerschaft nicht verwendet werden. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu sechs Monate nach der Therapie eine wirksame Empfängnisverhütung anwenden.

Es ist nicht bekannt, ob Bevacizumab in die Muttermilch übergeht. Da aber andere Antikörper in die Muttermilch ausgeschieden werden und Bevacizumab Wachstum und Entwicklung des Säuglings beeinträchtigen könnte, müssen Frauen während der Therapie das Stillen absetzen und dürfen bis mindestens sechs Monate nach der letzten Dosis nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Bevacizumab bei Kindern und Jugendlichen wurde nicht untersucht, aufgrund der fehlenden Erkenntnisse sollte diese Altersgruppe daher nicht mit dem Wirkstoff behandelt werden.




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