Acetyl­salicyl­säure

Wirkstoff || Quellen (Stand: 12. Mai 2010)

auch bezeichnet als:
2-Acetoxybenzoesäure; Acidum acetylsalicylicum; ASS

So wirkt Acetyl­salicyl­säure

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Acetyl­salicyl­säure. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen nicht-opioide Schmerzmittel, Thrombozytenaggregationshemmer, nicht-steroidale Antirheumatika, Entzündungshemmer, Migränemittel, Schmerzmittel, zu welcher der Wirkstoff Acetyl­salicyl­säure gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Acetyl­salicyl­säure

Acetylsalicylsäure (ASS) wird in erster Linie zur Therapie leichter bis mäßiger Schmerzen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder Regelschmerzen eingesetzt. Aber auch bei stärkeren Schmerzen im Rahmen einer Migräne ist die Acetylsalicylsäure wirksam.

Acetylsalicylsäure hat dazu die Fähigkeit, Blutplättchen am Verklumpen zu hindern und somit Blutgerinnseln (Thrombosen) vorzubeugen. Deswegen wird der Wirkstoff umgangsprachlich oft als Blutverdünner bezeichnet.

Zusätzlich hat Acetylsalicylsäure eine fiebersenkende Wirkung, die man sich bei Behandlung der Influenza (echte Grippe) oder bei einer Erkältungskrankheit zu Nutze macht. Eher selten wird die Acetylsalicylsäure auch bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt.

Zur Schmerztherapie und zur Fiebersenkung werden in der Regel Dosierungen von 500 bis 1000 Milligramm Acetylsalicylsäure pro Tag eingesetzt. Eine Tageshöchstdosis von 3 Gramm sollte nicht überschritten werden.

Wird Acetylsalicylsäure zur Vorbeugung von Blutgerinnseln, also in seiner Eigenschaft als Thrombozytenaggregationshemmer eingesetzt, kommt es in niedrigen Dosierungen von 100 bis 300 Milligramm pro Tag zur Anwendung. Der Wirkstoff wird insbesonders bei Herzinfarkt und Schlaganfall oder dessen Vorboten (kurze Störungen der Gehirnfunktion) gegeben, um eine Wiederholung zu verhindern. Auch bei einer instabilen Angina Pectoris wird Acetylsalicylsäure eingesetzt, um der Verstopfung kleiner Blutgefäße am Herzen vorzubeugen.

Im Handel gibt es Acetylsalicylsäure in Form von Tabletten, Brausetabletten, Zäpfchen oder als Granulat. In der Klinik wird auch eine wasserlösliche Form der Acetylsalicylsäure als Infusionslösung direkt ins Blut gegeben.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Acetyl­salicyl­säure sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Acetyl­salicyl­säure

Die Acetylsalicylsäure wird den Wirkstoffgruppen der Antiphlogistika, der nicht-opioiden Schmerzmittel, der nicht-steroidalen Antirheumatika und der Thrombozytenaggregationshemmer zugeordnet. Acetylsalicylsäure dient der Linderung von leichten und mäßigen Schmerzen und beugt gleichzeitig Herzinfarkt und Schlaganfall vor.

Der Wirkstoff hemmt zwei körpereigene Enzyme, nämlich die Cyclooxygenase-1 (COX-1) und die Cyclooxygenase-2 (COX-2). Beide Cyclooxygenasen produzieren wichtige Gewebshormone, die sogenannten Prostaglandine.

COX-1 regelt im Körper über die Prostaglandinproduktion überwiegend nicht-krankhafte Vorgänge. Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung der Wasserausscheidung durch die Nieren, die Erweiterung der Bronchien oder der Schutz der Schleimhaut im Magen und Darm. Außerdem sitzt Cyclooxygenase-1 auch in Gefäßwänden und Blutplättchen (Thrombozyten), wo sie über das Gewebshormon Thromboxan A2 die Verklumpung der Blutplättchen bei der Gerinnung fördert.

Die COX-2 wird dagegen überwiegend in verletztem Gewebe aktiv und produziert Prostaglandine, die die typischen Anzeichen wie Rötungen oder Schwellungen verursachen, aber auch die Nervenenden reizen und an der Schmerzweiterleitung und -wahrnehmung im Gehirn beteiligt sind.

Bereits kleine Mengen Acetylsalicylsäure (75 bis 100 Milligramm) verhindern wirkungsvoll die Verklumpung der Blutplättchen, da sie die in diesen Blutzellen vorhandene Cyclooxigenase-1 zerstören. Während die Zellen in den Blutgefäßwänden die zerstörten Cyclooxygenasen innerhalb von Stunden nachproduzieren können, vermögen dies die kernlosen Blutplättchen nicht mehr. Die Plättchen haben dann für die Zeit ihres Aufenthalts im Blut (circa eine Woche) keine Cyclooxygenasewirkung mehr.

In höheren Dosen (ab 250 Milligramm) hemmt Acetylsalicylsäure auch Cyclooxigenase-2 und damit die Produktion entzündungsfördernder Prostaglandine. Nach der Einnahme von des Wirkstoffs werden weniger Prostaglandine gebildet, dadurch lassen Schmerzen und Entzündungsreaktionen nach. Acetylsalicylsäure wirkt also entzündungshemmend, abschwellend und schmerzstillend. Über die Beeinflussung des Temperaturregelzentrums im Gehirn hat Acetylsalicylsäure außerdem eine fiebersenkende Wirkung.

Acetylsalicylsäure hemmt immer beide Cyclooxygenasen, wenn auch in einem dosisabhängigen Ausmaß. So erklären sich die bekannten Nebenwirkungen durch die Unterdrückung der Produktion von Cylooxigenase-1: Ihre Schutzwirkung auf die Magenschleimhaut entfällt, die Wasserausscheidung durch die Niere wird gedrosselt. Und wenn der bronchienerweiternde Einfluss von Cyclooxygenase-1 wegfällt, wird deutlich, warum die Einnahme von Acetylsalicylsäure bei Asthmatikern Asthma-Anfälle auslösen kann.




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