Parkinson-Krankheit

Anwendungsgebiete & Beschwerden || Quellen (Stand: 05. Juni 2008)

auch bezeichnet als:
Morbus Parkinson; Parkinson-Syndrom; Schüttellähmung

Das kann der Arzt tun

Wegen der Dopaminverarmung ist das oberste Therapieprinzip des Arztes, den Gehirnzellen wieder möglichst viel Dopamin anzubieten. Es gibt zu diesem Zweck mehrere Medikamentengruppen, die im späteren Stadium der Krankheit meist kombiniert werden.

In den ersten Krankheitsjahren verläuft die medikamentöse Therapie meist problemlos. Levodopa (L-Dopa) gilt als das wirksamste Arzneimittel, v.a. bei älteren Patienten. Es führt in der Regel zu einer raschen Besserung und wird besonders zu Behandlungsbeginn als Tablette, Kapsel oder Tropfen gut vertragen. Levodopa verzögert nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht das Fortschreiten der Krankheit und begünstigt möglicherweise Therapiekomplikationen (insbesondere Dyskinesien). Ein Großteil des eingenommenen Levodopa wird schon vor der Aufnahme ins Gehirn umgebaut, so dass nur ein Teil des Levodopa tatsächlich zur Wirkung kommt. Dies ist unerwünscht und kann durch Zusatz der Decarboyxlasehemmer Carbidopa oder Benserazid verhindert werden. Häufig werden Levodopa und Benserazid oder Levodopa und Carbidopa in Arzneimitteln als feste Kombination eingesetzt.

Im Laufe der Therapie mit Levodopa nimmt die Wirkdauer ab, die Nebenwirkungen hingegen deutlich zu. Daher wird in der Frühphase bei jüngeren Parkinson-Patienten (unter 65 Jahren) zugunsten von Dopaminrezeptor-Agonisten auf Levodopa verzichtet bzw. es in Kombination gegeben. Andererseits gilt als gesichert, dass durch die Einführung der Levodopa-Therapie die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten deutlich gestiegen ist, weil krankheitsbedingte Komplikationen vermieden werden.

Als erster Dopaminrezeptor-Agonist kam 1974 Bromocriptin auf den Markt. Seither stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung (Lisurgid, Pergolid). Im Gegensatz zu Levodopa greifen Dopaminagonisten direkt an den Dopaminrezeptoren des Striatums an und sind auch in späteren Stadien noch wirksam. Dopaminrezeptor-Agonisten können, v.a. bei jüngeren Patienten, als Einzelpräparat verabreicht werden; sonst als Kombinationspräparat mit Levodopa. Das Ziel der Therapie mit Dopaminrezeptor-Agonisten ist vorrangig, die Lebensqualität und die Selbstständigkeit des Patienten auf lange Sicht zu erhalten.

Um die Wirkdauer von Dopamin zu erhöhen, können MAO-Hemmer (Selegin) eingesetzt werden. Sie hemmen den Dopaminabbau sowie die Wiederaufnahme von Dopamin, es ist also mehr von dem Botenstoff vorhanden.

COMT-Hemmer (Entacapon) sind in der Spätphase der Parkinson-Krankheit zugelassen. Sie erhöhen die wirksame Konzentration von Dopamin. COMT-Hemmer blockieren das Dopamin-Abbauenzym Catechol-O-Methyl-Transferase.

Den Dopaminmangel zu bekämpfen ist eine Möglichkeit der Behandlung. Eine Besserung der Beschwerden lässt sich auch über Medikamente erreichen, die das Ungleichgewicht an Acetylcholin oder Glutamat regulieren. Dies sind Muscarinrezeptor-Antagonisten (beispielsweise Biperiden, Bornapin oder Metixen) sowie Glutamatantagonisten wie beispielsweise Amantadin oder Budipin. Anticholinergika sind die ältesten Parkinson-Medikamente. Gut kontrollierte Studien liegen allerdings nicht vor und es gibt einige Nebenwirkungen (beispielsweise kognitive Störungen). Anticholinergika werden deshalb heutzutage zurückhaltend eingesetzt, scheinen allerdings nützlich zu sein, wenn bei vorherrschendem Ruhetremor die dopaminerge Standardtherapie nicht ausreichend wirkt.

Neben der medikamentösen Therapie bieten Universitätskliniken für einzelne Patienten die intrakranielle Tiefenstimulation an. Bei diesem neurochirurgischen Eingriff werden nach umfangreicher Diagnostik bestimmte dopaminverarmte Hirnzellen mit Elektroden gereizt.




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