Durchfall

Anwendungsgebiete & Beschwerden || Quellen (Stand: 11. September 2015)

auch bezeichnet als:
Diarrhöe

Das können Sie selbst tun

Eine einfache Durchfallerkrankung vergeht meist von selbst und benötigt keine spezielle Behandlung. Generell sollte Durchfall nicht sofort unterbunden werden, da sonst Keime und Schadstoffe, wie beispielsweise bei einer Lebensmittelvergiftung, nicht ausgeschieden werden können.

Die wichtigste Maßnahme bei Durchfall besteht darin, viel zu trinken, denn bei Durchfall verliert der Körper Flüssigkeit und Elektrolyte. Besonders Kinder und Schwangere sowie ältere, abwehrgeschwächte oder unterernährte Menschen sind dadurch gefährdet. Für den Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts eignen sich Wasser oder mit Wasser verdünnte Fruchtsäfte. Davon sollten mindestens zwei bis drei Liter pro Tag zu sich genommen werden. Elektrolyte lassen sich in Form von Salz aufnehmen. Außerdem gibt es in der Apotheke spezielle Elektrolyte als Tabletten oder Flüssigkeit in Beuteln, die unter anderem Glucose, Natrium, Kalium und Chlorid enthalten. Falls solche Medikamente nicht zur Hand sind, können Sie sich auch selbst eine Mischung aus einem halben Liter Wasser, fünf Teelöffeln Traubenzucker und einem halben Teelöffel Salz herstellen. Alternativ können Sie sich auch mit klaren Brühen oder Salzstangen behelfen. Schwarzer Tee ist ebenfalls gut bei Durchfall, da er leicht stopfend und darmberuhigend wirkt.

Obstsorten wie Bananen (kaliumreich) und Äpfel (pektinhaltig) sind - wenn sie vertragen werden - bei Durchfällen geeignete Lebensmittel. Äpfel sollten allerdings nur geschält und gerieben gegeben werden, um die Darmwände nicht durch Schalen und Kernhäuser weiter zu reizen. Milch oder milchhaltige Nahrungsmittel sind während des Durchfalls und in den ersten Tagen nach dem Durchfall zu vermeiden.

Bei Durchfallerkrankungen sollten Sie generell auf blähende oder stark zitrushaltige Speisen und Getränke verzichten. Bei schweren Durchfällen ist es ratsam, am Anfang wenig bis gar nichts zu essen, auf eine ausreichende Trinkmenge muss aber unbedingt geachtet werden. Ab dem zweiten oder dritten Tag können Sie mit einer magenschonenden Kost wie Zwieback oder Haferschleimsuppe beginnen. Für Säuglinge gibt es eine spezielle Heilnahrung, fragen Sie dazu Ihren Kinderarzt.

Es gibt zahlreiche frei verkäufliche Mittel gegen Durchfallerkrankungen wie medizinische Kohle, Uzarawurzel, Apfelpektin, Dinatriumhydrogencitrat, Natriumcitrat, Nifuroxazid, Smektit, Ethacridin oder Kombinationen aus den Wirkstoffen wie Smektit + Aluminiumhydroxid-Magnesiumcarbonat.

Medikamente mit Gerbstoffen wie zum Beispiel Tannin und Tanninalalbuminat dichten die Darmschleimhautoberfläche ab und wirken antibakteriell. So ähnlich wirkt auch Schwarzer Tee.

Als pflanzliche Wirkstoffe gegen Durchfall könnten zum Beispiel Extrakte aus Pfefferminze, Uzarawurzel, weißer Taubnessel, Blaubeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren, Bärentraube, Bärlauch, Blutwurz, Gänsefingerkraut, Haselnuss, Quitte, Wermutkraut oder Wiesenknopf den Durchfall lindern. Fragen Sie Ihren Apotheker nach entsprechenden Zubereitungsformen. Pflanzliche Fertigkombinationen zum Einnehmen sind zum Beispiel Kamillenblüten-Fluidextrakt + Pektin und Apfelpektin + Kamillenblüten.

Bei starken Durchfällen kann der Wirkstoff Loperamid eingenommen werden. Dadurch wird die Darmmuskeltätigkeit gehemmt und der Durchfall gestoppt.

Innerhalb von zwei bis drei Tagen sollten diese Medikamente eine Besserung bewirken, ansonsten ist der Besuch eines Arztes ratsam.

Auch der Einsatz von Hefepilzen wie Saccharomyces cerevisiae oder Trockenhefe aus Saccharomyces boulardii kann sinnvoll sein. Hefe hemmt unter anderem das Wachstum von schädlichen Keimen und dient insbesondere der Regeneration der Darmflora nach einer Durchfallerkrankung oder nach der Einnahme von Arzneimitteln, die die Darmflora angreifen (zum Beispiel nach einer Langzeit-Antibiotikabehandlung). Besprechen Sie diese Therapieform mit Ihrem Arzt.

Eine so genannte Sanierung der Darmflora kann nach einer Durchfallerkrankung ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Diese Therapie aktiviert in gewissem Maße die körpereigenen Abwehrkräfte, da ein gesundes Darmmilieu eindringende, krankmachende Keime an der Vermehrung hindert. Um eine Regeneration der Darmflora zu erreichen, werden medizinisch aufbereitete Bakterienstämme wie zum Beispiel Milchsäurebakterien (zum Beispiel Lactobacillus acidophilus-Stoffwechselprodukte, Lactobacillus helveticus- Stoffwechselprodukte, Lactobacillus rhamnosus, Sauermilchmolkenkonzentrat) oder Kolibakterien (zum Beispiel Escherichia coli), eingesetzt.

Um einer Durchfallerkrankung vorzubeugen gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die Sie beachten sollten:
  • Bei Fernreisen in heiße Länder verzehren Sie möglichst nur gekochte oder geschälte Speisen, essen Sie kein offenes Speiseeis oder ungewaschene Salate. Dazu gibt es die treffende englische Weisheit: „Peel it, boil it, cook it – or forget it. ("Schäl es, erhitze es, koche es - oder vergiss es."
  • Kochen Sie Trinkwasser ab oder verwenden Sie Mineralwasser. Dies gilt auch für das Zähneputzen. Verzichten Sie auf Eiswürfel in Getränken.
  • Sollten Sie in risikoreiche Gebiete fahren, gibt es die Möglichkeit einer Impfung gegen Cholera und Typhus.
  • Um einer Salmonelleninfektion vorzubeugen, essen Sie möglichst keine rohen oder weichgekochten Eier (besonders im Sommer) und kein ungenügend gegartes Geflügel sowie ungewaschenes Obst und Salate.

Wann zum Arzt?

Der Arzt sollte aufgesucht werden, wenn Durchfall und der damit verbundene Flüssigkeitsverlust sehr stark sind, länger als zwei bis drei Tage dauert, wenn zusätzlich Fieber auftritt oder wenn Blut beigemischt ist. Ist der Stuhl entfärbt (hat also nicht mehr seine normal braune Farbe) oder erscheint er sehr dunkel bis schwarz-glänzend (Teerstuhl) sollte ebenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Leiden Säuglinge und Kleinkinder oder ältere und abwehrgeschwächte Personen an Durchfällen, sollte immer ein Arztbesuch erfolgen. Das gleiche gilt für Durchfälle nach Fernreisen.




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