Alkoholabhängigkeit

Anwendungsgebiete & Beschwerden || Quellen (Stand: 17. Juni 2008)

auch bezeichnet als:
Alkoholabusus; Alkoholismus; Alkoholkrankheit; Alkoholmissbrauch; Alkoholsucht

Abhängigkeit (auch Sucht genannt) ist ein zwanghaftes Bedürfnis nach einer bestimmten Substanz. An erster Stelle der suchtauslösenden Substanzen steht in Deutschland der Alkohol. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt die Zahl der Alkoholabhängigen auf 1,5 Millionen. Weitere suchtauslösende Substanzen sind Medikamente und Drogen (zum Beispiel Kokain und Heroin). Von einer Alkoholabhängigkeit wird gesprochen, wenn mindestens drei der folgenden Kriterien zutreffen:
  • Es besteht ein unwiderstehliches Verlangen (psychischer Zwang), Alkohol zu konsumieren.
  • Die Menge des Alkoholkonsums kann nicht kontrolliert werden.
  • Ohne ausreichenden Alkoholkonsum kommt es zu körperlichen Entzugssymptomen wie Zittern der Hände.
  • Der Alkoholkonsum muss gesteigert werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
  • Das Verlangen nach Alkohol wird zum Lebensinhalt. Andere soziale und berufliche Interessen werden vernachlässigt.
  • Trotz Erkennen der negativen Folgen wird weiterhin Alkohol konsumiert.
Alkoholabhängigkeit äußert sich nicht nur durch eine überdurchscnittliche Menge an Alkohol, die ein Mensch zu sich nimmt. Schon wer täglich einen Liter Bier trinkt, riskiert, alkoholabhängig zu werden.

Der Alkoholismus ist eine der folgenschwersten Suchtkrankheiten. Dabei ist der Übergang von den psychischen zu den körperlichen Auswirkungen der Abhängigkeit fließend: Fällt die regelmäßige Alkoholzufuhr plötzlich aus, überwiegen die vom Nervensystem verstärkten anregenden Impulse, und es kommt zu den typischen neuropsychiatrischen Entzugssymptomen wie Unruhe, Tremor, Schlafstörungen, Hautrötung, Schwitzen, Sprechstörungen, Angst, Depressionen, Herzfrequenzanstieg, Blutdruckanstieg, Übelkeit und Erbrechen. In schweren Fällen kann es zusätzlich zum Delirium tremens kommen, das sich mit Halluzinationen, schwerer Unruhe mit Selbstgefährdung, Beschäftigungsdrang und epileptischen Anfällen bis hin zum Koma äußert. Das Delirium tremens ist lebensgefährlich.

Neben den neuropsychiatrischen Störungen treten eine Vielzahl weiterer körperlicher Symptome auf. Hierzu zählen beispielsweise die Leberzirrhose, Bauchspeicheldrüsenentzündung, hormonelle Störungen, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen und vieles mehr. Die körperlichen Schäden verursacht der Alkohol, weil er ein Zellgift ist, das der Körper aufwändig abbauen muss. Ein halber Liter Bier (4 Prozent Alkoholgehalt) enthält etwas weniger als 20 Gramm reinen Alkohol (Ethanol). Schon in Mund und Speiseröhre werden geringe Mengen davon aufgenommen, im Magen noch einmal etwa 2 Gramm, der Rest gelangt über den Dünndarm ins Blut.

Der amerikanische Sozialwissenschaftler E. M. Jellinek hat die Vorstufen der Alkoholabhängigkeit und die Alkoholabhängigkeit selbst wie folgt unterteilt:
  • Alpha-Trinker sind Konflikt- oder Erleichterungstrinker. Sie trinken, ohne die Kontrolle über ihren Alkoholkonsum zu verlieren.
  • Beta-Trinker sind Gelegenheitstrinker. Ihr Alkoholkonsum erfolgt aus Anpassung an soziale Konventionen, etwa beim Trinken in Gesellschaft oder aus Gewohnheit.
  • Gamma-Trinker sind süchtige Trinker mit psychischer und physischer Abhängigkeit. Sie haben keine Kontrolle über ihren Alkoholkonsum.
  • Delta-Trinker sind so genannte Spiegeltrinker, die für ihr Wohlbefinden immer einen bestimmten Alkoholspiegel benötigen. Sie sind nicht abstinenzfähig und damit schwer alkoholkrank.
  • Epsilon-Trinker sind episodische Trinker, die in regelmäßigen Abständen Alkoholexzesse benötigen (so genannte Quartalssäufer).

Andere in diesem Zusammenhang relevante Anwendungsgebiete:

Wann zum Arzt?

Legt man das Schema von Jellinek zugrunde, sollten sich auf jeden Fall der Gamma-Trinker (süchtiger Trinker mit psychischer und physischer Abhängigkeit, Alkoholkonsum mit Kontrollverlust), der Delta-Trinker und der Epsilon-Trinker in ärztliche Beratung und Behandlung begeben. Eine Beratung ist auch dann dringend angezeigt, wenn eines der folgenden Merkmale zutrifft:
  • Es existiert permanent der starke Wunsch, Alkohol zu trinken.
  • Die Menge des konsumierten Alkohols kann nicht mehr gesteuert werden.
  • Wird der Alkoholkonsum eingeschränkt, treten körperliche Beschwerden (Entzugserscheinungen) auf.
  • Es werden immer größere Mengen Alkohol benötigt, um die gewünschte Wirkung zu erreichen.
  • Soziale Interessen und/oder die Körperpflege werden vernachlässigt.
  • Selbst während der Arbeitszeit und/oder im Straßenverkehr ist man alkoholisiert.
  • Trotz familiärer und/oder beruflicher Probleme wegen des Alkoholkumsums wird weiter getrunken.
Ohne Therapie ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines Alkoholikers um zwölf Jahre vermindert. Häufige Todesursachen sind Selbstmord (15 Prozent aller Alkoholiker), Unfälle, Herzerkrankungen, Leberzirrhose und Krebserkrankungen.




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